Café Odeon

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Regisseur Kurt Früh erzählt in seiner Hommage an den Zürcher Künstlertreff Café Odeon von einem ehrbaren Kellner, der eine junge Frau vom Land vor einem Leben als Prostituierte beschützt. Die Hauptrollen verkörpern der unvergessene Emil Hegetschweiler und Margrit Winter.

Gutgläubig, naiv und ohne Geld reist die junge Leni Feller (Margrit Winter) vom Land nach Zürich, um ihre Schwester Anni (Silvia Frank) zu besuchen. Ihr Mann sitzt wegen einer Dummheit im Gefängnis. Leni, die sich in vielem zu kurz gekommen glaubt, bestaunt die noble Lebensart ihrer Schwester. Diese sitzt allnächtlich als Prostituierte im Café Odeon, bekommt aber gerade in diesen Tagen eine Einladung für einen zweiwöchigen Italienaufenthalt.

Angst, Eifersucht und Ausbruch

So kommt Leni vorerst zu einem Zimmer und leihweise zu einem Pelzmantel. Weil sie Geld braucht, versucht sie auch, im Odeon anzuschaffen. Das misslingt, aber Doktor Kartmann (Erwin Kohlund), ein Professor vom Gymnasium, nimmt sich ihrer menschenfreundlich an – und gefährdet damit seine Ehe.

Das wiederum kann Walter, der Oberkellner (Emil Hegetschweiler) und gute Geist des Odeons, nicht mitansehen. Er offeriert Leni eine Bleibe und kümmert sich väterlich um sie. Lenis Mann Hans (Hans Gaugler) allerdings, der vor Angst und Eifersucht geplagt einen Ausbruch riskiert, interpretiert das falsch und versucht, die verfahrene Sache mit Gewalt zu regeln.

Entsetzt vom Realismus

Geplant hatte Kurt Früh sein «Café Odeon» als knallharten Film aus dem Zürcher Milieu. Verleiher und Geldgeber allerdings waren über so viel Realismus entsetzt. Sie hatten mehr an eine Neuauflage von «Polizischt Wäckerli» oder «Bäckerei Zürrer» gedacht. Kompromisse waren unumgänglich, das Resultat war entsprechend verharmlost.

Ein Grossaufgebot von hervorragenden Schweizer Darstellern bemüht sich nach Kräften, dem Film Profil zu geben, allen voran Margrit Winter als naiv unerschrockene und doch überaus verunsicherte Leni vom Land und Emil Hegetschweiler als Kellner vom alten Schrot. Dennoch fehlt dem fertigen Film der Biss, mit dem er konzipiert worden war.

Was schliesslich in die Kinos kam, war trotzdem noch brisant genug: «Café Odeon» wurde jedenfalls 1959 in den Kantonen Luzern, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Wallis und Waadt für die Kinoaufführung nicht freigegeben.