Die missbrauchten Liebesbriefe

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Alfred Rasser, Paul Hubschmid und Anne-Marie Blanc bilden das Liebenden-Dreieck in dieser charmanten Komödie, die nach Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle entstand.

Irgendwann im 19. Jahrhundert meldet sich in Seldwyla der Junglehrer Wilhelm (Paul Hubschmid) beim Schulpfleger (Heinrich Gretler) zum Stellenantritt. Er wirkt schüchtern und gehemmt. In der Schule aber pflegt er einen so modernen Stil, dass sich der Pastor (Emil Hegetschweiler) bald besorgt fragt, ob da gar ein Atheist am Werk sei. Sorgen ganz anderer Art macht sich der Kaufmann Viggi Störteler (Alfred Rasser), der unter dem Pseudonym Kurt von Walde literarische Produkte publiziert. Diese nämlich gefallen dem feinsinnigen Wilhelm ganz und gar nicht. Weil er für vier Monate nach Berlin reisen muss, plant Störteler einen «Briefwechsel zweier Zeitgenossen: Kurt - Alwina».

Dafür schreibt er seiner Frau Gritli (Anne-Marie Blanc) einen geschwollenen Liebesbrief, den sie geistreich beantworten soll. Weil sich die Überforderte nicht zu helfen weiss, greift sie zu einer List: Sie schreibt Viggis Brief ab, unterzeichnet mit ihrem Namen und steckt ihn kommentarlos dem Lehrer zu. Der sieht eine Romanze keimen und antwortet. Sein Brief geht, in Gritlis Handschrift, nach Berlin. Weitere Liebespostillen folgen. Viggi Störteler ist entzückt über die Begabung seiner Frau, bis er nach seiner Rückkehr dem wahren Verfasser auf die Schliche kommt.

Ihre erste Rolle in einem Schweizer Film spielte Anne-Marie Blanc 1939 in «Wachtmeister Studer». Sie war die Tochter des ermordeten Gemeindekassiers und die Verlobte des vermeintlichen Mörders. Ein Jahr später bekam sie, wieder unter Leopold Lindtbergs Regie, ihre erste grosse Rolle. In «Die missbrauchten Liebesbriefe» war sie als Gritli neben Paul Hubschmid und Alfred Rasser die dritte Hauptdarstellerin. Die Komödie «Die missbrauchten Liebesbriefe» basiert auf einer Geschichte aus Gottfried Kellers Sammlung «Die Leute von Seldwyla». Das Drehbuch schrieben Richard Schweizer, Horst Budjuhn und Kurt Guggenheim, drei ausgewiesene Kapazitäten auf ihrem Bereich. Regisseur Leopold Lindtberg gelang eine ebenso filmische wie stimmige Umsetzung der charmant-witzigen literarischen Vorlage. Das Werk fand denn auch, mitten im Krieg, im Ausland Anerkennung. An der Biennale von Venedig wurden «Die missbrauchten Liebesbriefe» preisgekrönt.