Der Ameisen bester Freund – Laurent Keller, Evolutionsbiologe

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus allen Kontinenten zieht es in die Ameisenmetropole Lausanne, zu Laurent Keller, Professor für Ökologie und Evolution der dortigen Universität.

«Wenn man alle in einem Wald auffindbaren Organismen sammeln würde, könnte man feststellen, dass drei Viertel der gesamten Biomasse Ameisen sind», erklärt Laurent Keller seine Faszination für die kleinen Krabbler. «Würde man die Ameisen von der Erde entfernen, wäre das wahrscheinlich für Hunderttausende von Arten das Ende.»

Keller interessieren vor allem die sozialen und kooperativen Verhaltensweisen in Insektengesellschaften. Er erkennt darin auch einen Spiegel des menschlichen Zusammenlebens. «Ursprünglich wollte ich Menschenaffen studieren. Dies ist in Afrika möglich, aber ziemlich kompliziert. Oder man beobachtet sie in Gefangenschaft, was eine verzerrte Wirklichkeit darstellt», erklärt Laurent Keller. «Deshalb habe ich mich den Ameisen zugewandt.»
Und Kellers Forschung führt manchmal zu erstaunlichen Ergebnissen, die ungeahnte Parallelen und Erkenntnisse für andere Bereiche eröffnen - zum Beispiel für die Altersmedizin: «Ameisenköniginnen können 30 Jahre lang leben. Das ist für ein Insekt enorm lange - etwa 100 Mal länger als beim Durchschnitt der Insekten», erklärt Keller. «Dieser Aspekt könnte auch für die Medizin der Menschen wichtige Erkenntnisse zeitigen, für ein gesundes Leben im fortgeschrittenen Alter.»