Der Klimakämpfer – Thomas Stocker, Umweltphysiker

Ein Klimaforscher, der gehört werden will: Der Berner Thomas Stocker reist bis nach Grönland, um die Fakten für den Klimawandel zu beschaffen.

Dass sich die Medien auf ihn stürzen, liegt nicht nur daran, dass Thomas Stocker einer der renommiertesten Klimaforscher der Erde ist. Er hat das grosse Talent, die nicht gerade einfache Klimaproblematik sachlich und präzise auf den Punkt zu bringen. Mit seinen Erkenntnissen, insbesondere mit seinen Klimamodellen, sorgt er immer wieder für internationales Aufsehen. 2003 übernahm er die Leitung der an der Universität Bern bereits seit Jahrzehnten betriebenen Eisbohrkernforschung. Zum ersten Mal begibt sich Thomas Stocker nun an den Ort, wo die Feldforschung für seine Arbeit betrieben wird: ins ewige Eis - eine dreitägige Reise von der Schweiz über Dänemark nach Grönland.

Hier, im nördlichsten Zipfel der Rieseninsel, abgeschlossen von der Zivilisation, bohren die Forscherinnen und Forscher in 400 Metern Tiefe nach dem ältesten Eis Grönlands. «Mit dieser Methodik sind wir an der vordersten Front, neue Entdeckungen zu machen», sagt der Berner Klimaforscher. Die Resultate geben Aufschluss über das Klima der vergangenen Jahrtausende.
Seit zehn Jahren gehört Thomas Stocker zu den Wissenschaftlern, die den Weltklimarat IPCC mit fundierten Forschungsresultaten beliefern. Vor wenigen Wochen wurde er zum Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Wissenschaft gewählt. «Wir haben die Pflicht zu informieren», sagt Stocker. «Die Menschen müssen erfahren, wie die Ergebnisse zustande kommen und wie zuverlässig sie sind. Schliesslich werden auf dieser Basis grosse Verhaltensänderungen von ihnen erwartet - und zwar von jedem einzelnen.»