Gottes Geschichte – Othmar Keel, Bibelwissenschaftler

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«Die Religionen betonen heute ihren Absolutheitsanspruch und ihre einzigartige Identität», sagt Othmar Keel, «stattdessen könnten sie sich auf ihre Gemeinsamkeiten besinnen». Der Forscher hat nachgewiesen, dass das Judentum, das Christentum und der Islam den gleichen Stammbaum besitzen.

Othmar Keels Leidenschaft für die heiligen Schriften gründet in seiner Schulzeit im Kloster Einsiedeln. Sein damaliger Religionslehrer, ein Benediktinermönch, animierte ihn dazu, die Bibel Satz für Satz zu lesen.

Bereits 1969, im Alter von 32 Jahren, wurde Othmar Keel auf den Lehrstuhl für Altes Testament und biblische Umwelt der Universität Freiburg im Uechtland berufen. In seinen Studien entschlüsselt er die Bilder der scheinbar bilderlosen Religion – mithilfe von kaum beachteten Darstellungen auf jahrtausendealter Miniaturkunst aus Palästina.

Othmar Keel hat auch einem neuen, differenzierten Verständnis der biblischen Schriften zum Durchbruch verholfen. So hat er mit seiner Deutung des «Hohelieds Salomos» diesem die erotische Würde zurückgegeben, die von den lustfeindlichen Kirchenvätern während Jahrhunderten unterdrückt worden war.
Der wissensdurstige Bibelwissenschaftler begründete auch die sogenannte Freiburger Schule, die heute internationales Renommee geniesst. Zum anderen hat Othmar Keel in Freiburg eine einzigartige Sammlung altorientalischer Miniaturkunst aufgebaut.