Menschen und Mäuse – Denis Duboule, Entwicklungsbiologe

Der gebürtige Walliser Denis Duboule ist weltweit einer der herausragendsten Spezialisten bei der Erforschung der genetischen Grundlagen der Entwicklung von Tier und Mensch. An der Universität Genf untersucht er die sogenannten Architekten-Gene.

Diese heissen nicht etwa so, weil sie aus jedem Bauarbeiter einen Botta oder Calatrava machen. Architekten-Gene sind vielmehr für den korrekten Körperbau eines Organismus verantwortlich - egal ob bei der Maus oder beim Menschen.

«Von Affen hat man den Eindruck, dass sie anders gebaut sind als der Mensch - und erst recht von Mäusen», erklärt Denis Duboule. «Im Grunde sind wir aber alle Wirbeltiere. Es gibt sieben Nackenwirbel, bei der Maus und beim Menschen. Und dann gibt es etwa 13 Wirbel, an denen die Rippen befestigt sind. Und fünf Finger - alles gleich. Das ist nicht überraschend, da die Architekten-Gene bei diesen verschiedenen Wirbeltieren praktisch identisch sind.»

Worin besteht nun aber der Nutzen solcher Forschungen? «Im Wissen: Es handelt sich um Grundlagengenetik. Als solche ist sie für die Gesellschaft nicht von direktem Nutzen», gibt Denis Duboule offen zu. «Trotzdem muss daran erinnert werden, dass die Medizin ohne Grundlagenforschung keine Fortschritte verzeichnen könnte.»