Von Batumi über Tiflis nach Lagodekhi in Georgien

Von trinkfreudigen Bauern, felsenfesten Glaubensbrüdern, vergessenen Flüchtlingen und menschenfreundlichen Milliardären

Peter Gysling nimmt das Fernsehpublikum mit auf ein grosses Abenteuer: Er bereist eine der Nordrouten der Seidenstrasse, von Venedig nach Xi‘an. Die zweite Etappe führt durch Georgien. Von Batumi über Tiflis nach Lagodekhi.

Boomendes Batumi

Die Ferienmetropole am Schwarzen Meer wird rigoros ausgebaut. Die neuen Casinos und Fünfsternhotels wirken wie ein potemkinsches Dorf, eine Kulisse, welche die wirkliche Situation der Stadt und des Landes kaschiert. Eter Turadse, engagierte Chefredaktorin der kritischen Zeitung Batumelebi, die gegen den staatlichen Pressestrom schwimmt, führt Peter Gysling durch protzige Baustellen, gegen die Bürgerproteste nichts auszurichten vermögen, und zeigt ihm die zerfallenden Hinterhöfe der Hafenstadt.

Hochprozentige Reise

In der wilden Bergwelt der Region Adscharien trifft Peter Gysling auf ein ganz anderes Georgien. Die Menschen, die von einer bescheidenen Landwirtschaft leben, wirken besonders engagiert und selbstbewusst.
Auf der abenteuerlichen Fahrt über den Goderdzipass begegnet das TV-Team dem umtriebigen Polizeiermittler Jumber Balkvadze, der nebenbei noch ein Gästehaus betreibt, und den feucht-fröhlichen Bauern, die Peter Gysling im hochgelegenen Krämerladen in die hochprozentigen Trinksitten einführen.

Felsenfeste Glaubensbrüder

Das monumentale Felskloster Wardzia hat Nachwuchs bekommen, das georgisch-orthodoxe Christentum erlebt ein Revival der Blut-und-Boden-Tradition. Vater Lazare betet für Gott, für sein Land und für sein Volk. Der steilen Felswand wurden vor 800 Jahren Tunnel und Terrassen für bis zu 50'000 Menschen abgetrotzt, die Höhlenräume sind bis heute auf sieben Stockwerken labyrinthartig verbunden. Die göttliche Ruhe wird jedoch gestört: Georgien möchte seine marode Wirtschaft durch den Tourismus ankurbeln, Zufahrtswege werden ausgebaut, gefährliche Stellen abgesichert.

Flüchtlinge in Gori

Bei Gori trifft Peter Gysling auf Mzia Gagloeva Jojischvili. Die 69-jährige Südossetin hat mit ihrem Mann, einem ethnischen Georgier, in Südossetien einen Hof betrieben. Bei Kriegsausbruch und ethnischen Säuberungen vor vier Jahren ist ihr die Flucht ins georgische Zentralland gelungen, von ihrem zurück gebliebenen Mann aber fehlt jede Spur. Die Rentnerin ist froh, dass ihr das IKRK hier ein Dach zum Überleben zur Verfügung stellt. Ihr Schicksal ist typisch für die vielen ungelösten Minoritätenprobleme im Kaukasus.

Humorvoller Historiker

In Tiflis besucht Peter Gysling seinen Freund Lasha Bakradze, Leiter des georgischen Literaturmuseums. Er ist ein humorvoller Historiker und vor allem auch ein äusserst geistreicher Mensch. Lasha zeigt ihm erstaunliche Dokumente, die wertvollen Aufschluss über das Leben und den kulturellen und religiösen Austausch auf der Seidenstrasse geben. Lasha erzählt in ironischem Klartext, warum die Georgier ein gespaltenes Verhältnis zu Russland haben und sich lieber nach Westen orientieren.

Georgisches Märchen

Der 56-jährige Bidsina Iwanischwili hat in Russland sehr erfolgreich mit Computern, Telefongeräten und einer Kreditbank geschäftet. Seit der Rückkehr nach Georgien versteht sich Iwanischwili als Menschenfreund, und hat - anfänglich noch heimlich - mit zig Millionen zahlreiche Staatsaufgaben finanziert und seinen Heimatbezirk Satschkere mit seinem Geldsegen beglückt. Der öffentlichkeitsscheue, milliardenschwere Mäzen führt Peter Gysling ganz selbstverständlich durch seinen Tifliser Glaspalast, der an James Bond-Filme erinnert. Mit seinem Parteienbündnis hat Iwanischwili jüngst die Parlamentswahlen gewonnen. Sein Ziel: Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen und Georgien von der Armut befreien.