Bernhard Russis erstes WM-Gold

Es gibt wenige Athleten, die mehr als 30 Jahre nach ihren sportlichen Erfolgen noch so populär sind wie Bernhard Russi. Sepp Renggli erinnert sich an den Innerschweizer und seinen ersten grossen Erfolg: WM Abfahrts-Gold in Gröden 1970.

Sepp Renggli interviewt Bernhard Russi 1970 in Gstaad.
Bildlegende: Sepp Renggli interviewt Bernhard Russi 1970 in Gstaad.

In der Nacht war in Gröden Schnee gefallen. So wurde das Rennen zu einer Wachs- und Startnummer-Schlacht. Mit der Nummer 15 hatte Bernhard Russi das grosse Los gezogen.

Der Wachs muss weg!

Seinen Abfahrts-Sieg verdankte er aber nicht zuletzt der Geistesgegenwart von Paul Berlinger. Von zwei Schweizer Fahrern im Ziel hatte Berlinger erfahren, dass zuviel Wachs auf ihren Skiern die Fahrt gebremst hatte. Kurzerhand liess er Russi von seinen Skier steigen, nahm sie und kratzte den Wachs vom Belag. Bei Russi selber vermischte sich Konzentration mit Wut und Enttäuschung. Diese Mischung setzte ungeahnte Kräfte frei und führte zum Sieg.

Zwei Jahre nach seiner ersten Gold-Medaille in der Abfahrt, wurde Bernhard Russi Olympia-Sieger in Sapporo und feierte damit gleichzeitig seinen zweiten Weltmeister-Titel. 1976 in Innsbruck gab es Silber bei den Olympischen Spielen, die ebenfalls als Weltmeisterschaft zählten.

Der Pistenbauer

Bernhard Russi blieb auch nach seiner sportlichen Karriere dem alpinen Skisport verbunden. Seit Ende der 1970er Jahre verfolgt er als Co-Kommentator fürs Schweizer Fernsehen die Rennen im Ski-Weltcup der Männer.

Ausserdem konzipiert und baut Russi rund um den Globus Abfahrtspisten. Sein aktuellstes Projekt ist eine neue Abfahrtsstrecke in Krasnaja Poljana bei Sotschi für die Olympischen Winterspiele 2014. Mit dieser Aufgabe wurde er auf persönlichen Wunsch von Vladimir Putin betraut.

Autor/in: Sepp Renggli