«Ich rede gern und viel»

«Sportreporter gesucht» hiess 1973 eine gemeinsame Aktion von Schweizer Radio DRS und dem Schweizer Fernsehen. Weniger als ein Fünftel der 1600 Kandidaten schafften den Sprung in die Zwischenrunde. Unter ihnen ein auffälliges Ausnahme-Talent.

Sportmoderator Bernard Thurnheer im Azteka-Stadion in Mexiko-City an der Fussball WM 1986.
Bildlegende: Sportmoderator Bernard Thurnheer im Azteka-Stadion in Mexiko-City an der Fussball WM 1986. SF

300 Kandidatinnen und Kandidaten wurden in verschiedene Studios eingeladen. Sie mussten Sprechproben abliefern, Interviews führen, sich in Diskussionen und Gast-Reportagen beweisen. Einer von ihnen liess gestandene Sport-Reporter Bauklötze staunen. Sein Deutsch war perfekt, er drückte sich gewählt aus, war witzig und schlagfertig. Kurz und gut: man hätte ihn problemlos anderntags aufs Publikum loslassen können. Kurze Zeit später kommentierte besagtes Talent sein erstes Fussball-Spiel für Schweizer Radio DRS.

Vom Nobody zu «Beni National»

Der Reporter-Lehrling von damals ist heute noch immer sehr aktiv und allseits bekannt. Sein Name: Beni Thurnheer. Als einer von 20 in der Endrunde des Auswahl-Verfahrens musste er ein Formular ausfüllen. Eine der Fragen lautete, ob man lieber fürs Radio oder fürs Fernsehen arbeiten möchte. Beni Thurnheer entschied sich als Einziger fürs Radio. Weil er gerne und viel rede, begründete er später diesen Entscheid, und weil er geahnt habe, dass alle anderen zum Fernsehen wollen.

Zum Fernsehen kam Beni Thurnheer kurze Zeit später dann doch. Nach der Fussball-Weltmeisterschaft 1974 schnappte das Fernsehen dem Radio Beni Thurnheer weg. Auf dieses Talent wollte man nicht verzichten.

Autor/in: Sepp Renggli