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In zwei farblich getrennten Sphären des Bildes spielen verschiedene Videos mit Schweizer Politikern aus verschiedenen Lagern.
Legende: SRF
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SRF 360 Forschungsprojekt: Wie erzählen wir Geschichten in 360°-Videos?

360°-Videos versprechen eine neue Wirklichkeitserfahrung. Doch wie erzählen wir darin Geschichten, wie inszenieren wir Debatten? SRF und die Hochschule Luzern haben im Rahmen eines Forschungsprojektes nach Antworten gesucht. Eines der Experimente nutzt die neue Technologie für eine Talkrunde.

Für das beste Erlebnis öffnen Sie das Video auf dem Smartphone mit diesem Link in der YouTube-App, Link öffnet in einem neuen Fenster

Wie werden wir uns in Zukunft Geschichten erzählen? Der digitale Wandel beeinflusst alle Aspekte der modernen Gesellschaft. Medienunternehmen sind gefordert, kontinuierlich neue Erzählweisen und Technologien einzusetzen, um weiterhin möglichst grosse Teile des Publikums zu erreichen. In diesem Zusammenhang engagiert sich Schweizer Radio und Fernsehen SRF in der audiovisuellen Produktion für Innovation. Gemeinsam mit der Hochschule für Gestaltung Luzern erforschte das Unternehmen zwischen 2017 und 2020 Erzählstrategien für 360°-Videos. Das Projekt wurde seitens der innoSuisse gefördert.

Fallstudien zeigen Möglichkeiten und Einschränkungen

360°-Videos folgen einer eigenen Logik. Sie sind nicht bloss Videos mit einer zusätzlichen Dimension, sondern stellen ein eigenes Medienformat dar. Viele der klassischen Weisheiten der Filmproduktion taugen nicht für die Herstellung eines 360°-Videos. Wie müssen die Macher stattdessen die Kamera bewegen, wann einen Schnitt setzen und wie die Aufmerksamkeit lenken? Um diese Fragen zu beantworten fehlten bisher wissenschaftliche Studien ebenso wie aussagekräftige Fallbeispiele.

SRF produzierte deshalb im Rahmen des Forschungsprojektes eine Reihe von experimentellen 360°-Videos. Mittels diesen sollen die Möglichkeiten und Grenzen des Mediums ausgelotet werden. Vertragen Zuschauer Jumpcuts und heftige Kamerabewegungen, wie sie beispielsweise im Sportvideo mit Nalani Buob zur Anwendung kommen? Kann Archivmaterial wie eine Reise durch die Schweiz von Ernst A. Heiniger mit neuen 360°-Aufnahmen kombiniert werden? Lässt sich ein Hörspiel immersiver umsetzen? Kann eine Lawinenausbildung besser vermittelt werden, wenn die Lernenden direkt ins Gelände versetzt werden?

Auf diese und weitere Fragen ging das Forschungsteam an Hand von Interviews, Gruppengesprächen und Workshops mit Produzenten ein und veröffentlichte die Erkenntnisse unter www.360storytelling.org, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Funktionieren klassische Fernsehformate auch als 360°-Videos?

Eines der 360°-Videoprojekte versucht, das klassische Fernsehformat der Gesprächsrunde als räumliches Erlebnis zu inszenieren. So rücken die Macher mit den sogenannten «Meinungsblasen» ein gesellschaftspolitisches Problem in den Vordergrund. Der Austausch in den sozialen Medien ist oftmals nur noch auf das Echo der eigenen Meinung beschränkt, was dazu führt, dass wir uns mit Andersgesinnten und abweichenden Meinungen nicht mehr auseinandersetzen müssen.

Im Pilotprojekt sollen deshalb zwei verschiedene Räume und damit zwei verschiedene Weltanschauungen aufeinandertreffen: Spiritualität und Wissenschaft. Für einmal sollen sich die beiden Seiten austauschen und verstehen lernen, statt in einem ewigen Konflikt über richtig und falsch, den Sieg davontragen zu wollen. In das Experiment wagen sich Kevin O. Groner, Musikyogi, und Meret Schmidhauser, Doktorandin in Tierphysiologie an der ETH Zürich.

Michael Brönnimann