Die Rückkehr der Spione

Khashoggi ermordet, die Skripals vergiftet, internationale Institutionen gehackt: das Spionagegeschäft hat makabre Hochkonjunktur. Die Ruhe nach dem Ende des Kalten Kriegs war ganz offensichtlich trügerisch.

Spionage schien eine Zeit lang ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert. Überlebenschancen hatte sie noch in Agenten-Thrillern und James Bond-Filmen wie «Golden Eye» mit Pierce Brosnan (1995). Damals hatte «007», gewissermassen schon im Vorspann, eine Chemiewaffenfabrik der Sowjets in Archangelsk zerstört – die Zukunft würde raffinierteren Waffensystemen gehören. Dachte man.

Die letzten Jahre lehren uns eines besseren. Gifte werden noch immer eingesetzt. Und exilierte Russen leben in Grossbrtannien gefährlich, wenn Moskau mit ihnen eine Rechnung offen hat.

  • Alexander Litwinenko, Doppelagent und Überläufer sowie Putin-Kritiker stirbt 2006 in London an einer Plutonium-Vergiftung.
  • Boris Beresowskij, ein nach London exilierter Businessman und ebenfalls Putin-Gegner, ist 2003 und 2007 Ziel von Mordversuchen. Er stirbt 2010 unter ungeklärten Umständen in seinem Haus im Westen von London.
  • Sergej Skripal, ebenfalls ein Doppelagent und Überläufer, sowie seine Tochter Julija werden am 4. März 2018 mit lebendbedrohlichen Vergiftungserscheinungen auf einer Parkbank in Salisbury im Süden Englands aufgefunden. Beim Gift, das für den Anschlag verwendet wurde, handelt es sich um Nowitschok, ein in der Sowjetunion hergestelltes Nervengift. Die britischen Behörden veröffentlichen Bilder der mutmasslichen Attentäter; diese bestreiten später am russischen TV jede Tatbeteiligung.

Das sind nur mal die spektakulärsten Fälle der letzten Jahre in Europa. Neben Russland trat die Türkei vermehrt als geheimdienstlicher Akteur auf. Etwa mit der versuchten Entführung eines türkisch-schweizerischen Geschäftsmanns im Herbst 2016. Der Versuch scheiterte, da auch der Schweizer Nachrichtendienst NDB beim Termin zugegen war.

Der grausame Tiefpunkt schliesslich im laufenden Jahr: die Ermordung des saudi-arabischschen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul. Auch hier werden Agenten beschuldigt, die eigens zur Tatbegehung aus der Heimat eingeflogen wurden.

Florian Inhauser diskutiert im Studio mit Erich Schmidt-Eenboom, deutscher Geheimdienstexperte und Autor mehrerer Bücher über europäische Geheimdienste. Zugeschaltet sind die Korrespondentinnen Luzia Tschirky in Moskau sowie Henriette Engbersen in London.

blid