Euro 2016: Fussball ist mehr als ein Spiel

  • Dienstag, 7. Juni 2016, 23:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 7. Juni 2016, 23:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 8. Juni 2016, 11:55 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 8. Juni 2016, 17:30 Uhr, SRF info

Am 10. Juni beginnt die Fussball-EM in Frankreich. Eine Prognose vorweg: mehr denn je werden nationale Gefühle und Identitäten gefeiert werden. Im einem durch Globalisierung und Krisen verunsicherten Europa bieten Nationalmannschaften in 24 Ländern Antwort auf die Frage «Wer sind wir eigentlich?»

29. März 2016, im Stade de France sind gerade die Nationalhmynen verklungen, der Schiedsrichter pfeift zum Freundschaftsspiel Frankreich – Russland an, dem ersten Spiel seit den islamistischen Terroranschlägen vom 13. November 2015, die vor dem Stade de France begannen und 130 Todesopfer forderten. «Daech, Daech, on t'encule», skandieren Tausende französischer Fans:

«IS, IS, wir f*** dich in den A***!»

Das Programm in Frankreich – da sind sich Fans, Politiker und Medien einig – ist gegeben: die Darstellung nationaler Kohäsion im Terror-gebeutelten Land ist vordringliche Aufgabe bei der Fussball-EM. Sicherheitsfragen stehen dabei im Zentrum, der Ausnahmezustand ist gerade kürzlich um weitere drei Monate über die EM und die Tour de France hinaus verlängert worden. Dazu gehört die Botschaft, Frankreich ist ein funktionierendes Land mit einer intakten Gesellschaft – auch wenn sich diverse Baustellen manifestiert haben, welche die Politiker dringend anpacken müssen. Die EM soll eine Feier werden. Bleu-blanc-rouge soll diesmal auch das durch die Wirtschaftskrise hervorgerufene und seit den Attentaten weit verbreitete Frankreich-Bashing stoppen, sagt Gilles Dumas, Direktor einer Pariser Sportmarketing-Agentur. Und:

«Sieben Monate nach den Attentaten möchten die Franzosen sich wieder um die französische Flagge versammeln und diesmal soll weder ein Drama noch Trauer Anlass dafür sein.»

Die Fussballer selber beteiligen sich kaum an solchen Diskussionen, ausser wenn sie von der Politik oder von Medien dazu genötigt werden. Etwa beim Thema Nationalhymne mitsingen, nicht nur in Frankreich, auch in vielen anderen Ländern. «Lieber Mesut Özil, lieber Sami Khedira, lieberJerome Boateng – schreib 2014 Kathrin Spoerr in «Die Welt» – «jedes Mal, wenn ich Sie schweigen sehe, frage ich mich, was Sie wohl denken, während Deutschland singt.» Mit ihr fanden 54 Prozent der Leser, Singen sei ein Zeichen des Nationalstolzes. Und ein User Jester Boch kommentierte:

«Nichtsingen heißt: Wir gehören NICHT dazu.»

Die Hymne-Debatte ist die Secondo-Debatte; sie läuft auch hierzulande. Der BLICK titelt anfang Mai im Zusammenhang mit der Aufnahme Kosovos in die UEFA und einem theoretisch möglichen Wechsel von Behrami, Xhaka und Shaqiri ins kosovarische Nationalteam: «Dann geht doch!» Um dann, nur Tage später als Granit Xhaka den Verbleib beim Schweizer Team bekannt gibt:

«Bravo, Granit! – Xhaka hat sich jetzt ganz offen für die Schweizer positioniert und bekannt. Das ist ganz starkes Zeichen vom Nati-Star!»

Drei Tage vor dem Anpfiff zur Euro2016 fragt Florian Inhauser die Korrespondenten in Paris, Brüssel und Berlin:

  • Welche Rolle spielt der Fussball beim nationalen Identitätsgefühl in Frankreich, Belgien und Deutschland?
  • Welches Eigenbild wollen diese Länder an der EM vermitteln?
  • Und wie steht's darum eigentlich in der Schweiz?

Im Studio begrüsst Florian Inhauser Beni Thurnheer, unbestrittene Koryphäe unter den Schweizer Fussball-Kennern. 500 Länderspiele hat er am Radio oder Fernsehen live kommentiert. Thurnheer bringt eine riesige Menge Fussballkompetenz ins Studio von #SRFglobal, nicht nur zur Schweizer Nationalmannschaft: Projektionen nationaler «Identität» hat er in diversen anderen Ländern ebenfalls hautnah erlebt.

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Daniel Blickenstorfer