Klima - das Spiel mit dem Feuer

Am 30. November beginnt der 21. Klimagipfel der Vereinten Nationen. In Paris treffen sich 196 Länder, um die absolute Katastrophe abzuwenden: ein globaler Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad.

Am 30. November beginnt der 21. Klimagipfel der Vereinten Nationen. In Paris treffen sich 196 Länder, um die absolute Katatstrophe abzuwenden: ein globaler Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad.

Die Fakten sind nicht mehr länger bestreitbar, der fünfte Bericht des Weltklimarats (IPPC) hält fest:

  • Die Erwärmung des Kilmasystems ist eindeutig. Viele dieser seit den 1950er-Jahren beobachteten Veränderungen sind seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden nie aufgetreten.
  • Jedes der letzten drei Jahrzehnte war an der Erdoberfläche sukzessive wärmer als alle voangehenden Jahrzehnte seit 1850.
  • Von 1901 bis 2010 ist der mittlere Meeresspiegel um 19 Zentimeter gestiegen.
  • Und: es ist äusserst wahrscheinlich, dass der menschliche Einfluss die Hauptursache der beobachteten Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist. [1]

Ziel des zwei Wochen dauernden Pariser Klimagipfels ist eine Vereinbarung, um den Temperaturanstieg bis 2100 auf 2 Grad zu beschränken. Bisher haben die Mitgliedstaaten der UNO-Klimakonvention Zusagen gemacht für die Hälfte der dafür notwendigen CO₂-Reduktionen. Bleibt die andere Hälfte, denn 2,7 Grad Temperaturanstieg – und darauf läuft das Zusagendefizit hinaus – sind noch deutlich zuviel, um die Welt zu erhalten, wie wir sie heute kennen.

«Die Menschheit dürfte maximal 800 Milliarden Tonnen Kohlenstoff ausstossen; seit Beginn der Industrialiserung haben wir bereits zwei Drittel davon freigesetzt.»

Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich: «Wenn wir die weltweite Erwärmung mit genügend grosser Wahrscheinlichkeit auf 2 Grad beschränken wollen, dann müssen wir uns an ein fixiertes CO₂-Budget halten. Die Menschheit dürfte maximal 800 Milliarden Tonnen Kohlenstoff ausstossen; seit Beginn der Industrialiserung haben wir bereits zwei Drittel davon freigesetzt.» Eine zentrale Rolle zur Erreichung des 2-Grad-Kilmaziels spielen aus globaler und aus Schweizer Sicht die Investitionen in CO₂-intensive Unternehmen. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) stellt fest: «Mit seinen Investitionen in die globalen Finanzmärkte unterstützt der Finanzplatz Schweiz ein globales Klimawandelszenario von 4 bis 6 Grad Celsius.» Diese Investitionen gefährden einerseits die Welt und sind andererseits selbst einem erheblichen Risiko ausgesetzt: sie könnten sogar als «gestrandete Vermögen» enden, wenn dereinst fossile Energien aus Einsicht nicht mehr genutzt werden dürften. Viele Anleger, darunter auch Pensionskassen, unterschätzen ihre Kohlenstoffrisiken, weil die mit den Immissionen verbundenen Emissionen nicht sytematisch erhoben werden. Ein Ausstieg aus immissionsintensiven Branchen und Umstieg auf klimafreundlichere Unternehmen wäre für die Anleger laut der Studie aber ohne grössere Folgen in Bezug auf Risiko und Diversifikation möglich.

Einige Länder – wie etwa China – haben den Ernst der Lage begriffen und sich ambitiöse Klimaziele gesetzt. Andere – zum Beispiel Australien – haben die Entwicklung in die andere Richtung genommen, sind vom Paulus zum Saulus geworden: «Coal is good for humanity», heisst es inzwischen seitens der australischen Regierung, zum Leidwesen der Pazifik-Staaten, von denen die ersten schon in den nächsten 50 Jahren im Meer versinken werden. Florian Inhauser moderiert #SRFglobal «Klimawandel – Spiel mit dem Feuer» Er konferiert dafür mit den Korrespondenten in Paris, Sidney und Suva, der Hauptstadt von Fidschi. Im Studio empfängt er zudem Fredy Gsteiger, den UNO-Korrespondenten von Radio SRF.

[1] Leben mit dem Klimawandel, in: Umwelt 4/2014, hsg. von Bundesamt für Umwelt BAFU

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