1983 in der Mode: Nostalgie und Entsetzen

An das Gründungsjahr von SRF 3 erinnern sich ältere Hörer und Macher lebhaft. Auch unser Stilfachmann Jeroen van Rooijen blickt zurück - mit einer Mischung aus Nostalgie und Entsetzen.

Flashback: SRF 3 Stilpapst Jeroen van Rooijen in den 80ern.
Bildlegende: Flashback: SRF 3 Stilpapst Jeroen van Rooijen in den 80ern.

1983 kaufte ich mir mein erstes Transistorradio, eine kleine orangefarbene Kiste aus Asien, und setzte mich damit in den Garten, drehte am Sendersuchrad, doch als erstes lief furchtbare Musik von den Beach Boys, die ich damals schon sehr altbacken fand.

Ich dachte, ich höre einem Krähennest zu wahrscheinlich hatte ich einen süddeutschen Sender statt das erhoffte DRS 3 erwischt. Ich war damals fasziniert von der englischen Popkultur und den New Romantics - die aufwändigen Kleider und die tollen Frisuren gefielen mir.

Marcel-Scheiner-Jeans

Ich war in der Tendenz eher Popper, andere waren Heavies oder New Waver, aber ich fühlte mich zu Marcel-Scheiner-Jeans, flachen Slippers mit Klettverschluss, weiten farbigen Pullovern und Musik mit Drum-Computern hingezogen.

Die 80er brachten eine Stilumkehr gegenüber der Silhouette der 70‘s - statt weiter Hosen und schmaler Hemden trug man jetzt weite Oberteile mit Schulterpolstern und schmal zulaufende Rüeblihosen.

Heavy Metal und Punk

Es gab aber nicht den einen einzigen, gültigen 80‘s-Look, schon damals herrschte ein Vielerlei der Stile: Heavy-Metal war für junge Männer vom Lande anziehend, der Punk lebte fort und war auch in kleineren Städten ein Thema, und die Modeleute trugen damals komplett schwarze Kleidung, so wie sie die neuen Japaner in Paris zeigten, die Rei Kawakubo oder Yohji Yamamoto hiessen.

Mein Opa, der mir das Schneiderhandwerk in seinen späten Jahren zeigte, hatte den entscheidenden Funken gezündet und mein Interesse für die Mode geweckt. Dank ihm, der sein Leben lang Massschneider war, wusste ich schon als junger Gymnasiast, dass ich nicht für eine akademische Karriere taugte, sondern mein Glück in Handwerk und Design versuchen wollte.

Enfant terrible von Paris

Jean-Paul Gaultier war ein ganz entscheidender Name. Als ich auf Fotos seine Kreationen sah - er war damals das Enfant terrible in Paris und am Anfang einer grossen Karriere - da wusste ich, dass ich mich nicht nur so anziehen wollte, sondern auch so eine Karriere machen wollte.

Den Ton in Paris gaben aber Claude Montana und Thierry Mugler an, zusammen mit Jean-Charles de Castelbajac und Anne-Marie Berretta nach allen vieren kräht heute kein Hahn mehr.

London als Leitmotiv

Popmusik und London waren das ästhetische Leitmotiv: Ein gewisser Boy George erregte die Leute. Grosse Stilhelden der Zeit waren auch Madonna und Michael Jackson, der praktisch das ganze Jahr die Nummer 1 in den Charts war.

Das Fernsehen war so farbig wie seither nie mehr: Ein Stilvorbild war etwa Tom Selleck alias Magnum mit seinem dicken Schnauzer und dem offenen Hawaii-Hemd. Oder Jane Fonda und Olivia Newton-John in ihren sexy Aerobic-Outfits.

Sweatshirts und Dauerwelle

Miami Vice war die bedeutendste Referenz für die Männermode, die Frauenmode war auch beeinflusst vom Denver-Clan. Und schliesslich das Kino: Durch Flashdance wurden zerrissene Sweatshirts beliebt, oder Bodys, weisse Stilettos und Dauerwelle mit Strähnchen.

Jeroen van Rooijen: Das 80ies-Archiv

Autor/in: Jeroen van Rooijen