30 Jahre Aerobic – das Erbe der Fitness-Euphorie

Aerobic feiert ihren 30. Geburtstag, und das hat viel mit Stil zu tun - nicht unbedingt mit gutem Stil, aber sicher mit Style. DRS-3-Stilfachmann Jeroen van Rooijen über den Trendsport der frühen achtziger Jahre.

Sexy Aerobic im Video von Eric Prydz «Call on me»
Bildlegende: Sexy Aerobic im Video von Eric Prydz «Call on me»

Im Prinzip ist Aerobic nichts anderes als Turnen bzw. Bodengymnastik (oder Damenriege) mit etwas mehr Musik und sexy Outfits. Darum nannte man es in der DDR auch Popgymnastik.

Die Frauen rannten in die Fitnessstudios, denn mit demErwachen des neuen Körpergefühls der Powerfrauen musste ein fitter Body her. Den Boden ebnete der Tanzfilm Fame (1980), der die Leute vom Hocker riss. Dann kam Jane Fonda, und die Welt war im Aerobic-Fieber.

Modischer Wettbewerb

Aerobic war ein Erfolg, weil es gruppendynamisch zuging. Dazu kam der modische Wettbewerb: Zeitweise schien die Klamotte und das sexy Styling wichtiger als der sportliche Einsatz. Und es musste ultrasexy aussehen - sowohl die Mode wie die Bewegungen. Ohne diesen mehr als deutlichen Unterton von Sexualität wäre Aerobic nie so ein Erfolg geworden.

Der Look war zwar wichtig, aber nicht so sehr ein bestimmtes Label. Nur sehr bunt musste es sein! Die Zutaten: Bodysuit oder Athletic Top, eine farbige Strumpf- oder Spandexhose mit Glanz, darüber ein hoch auf die Hüfte geschnittener Tangaslip, um die Knöchel die typischen Legwarmer oder Stulpen.

Und viel Haarspray...

Dazu ein Oversize Sweatshirt und weisse Turnschuhe von Reebok. Gute Accessoires waren ein breiter Gürtel, ein Stirnband, grosse Ohrringe, Dauerwelle und viel Haarspray.

Die grossen Aerobic-Heldinnen waren Olivia Newton-John, die 1978 schon mit Travolta „Grease" drehte und später mit „Physical" einen thematisch passenden Welthit hatte. Dann natürlich Jane Fonda, die ab 1982 von einem einzigen Fitness-Video 17 Millionen Stück verkaufte und darum noch weitere 23 davon produzierte.

Die Schönste von allen: Jennifer Beals 1983 in Flashdance, obwohl das ja mehr ein „echter" Tanz- als ein Aerobicfilm war, und schliesslich die ultrasportliche Jamie Lee-Curtis in „Perfect" (1985) an der Seite von John Travolta.

Autor/in: Jeroen van Rooijen