Angeschrieben: Logos und Sprüche auf der Kleidung

Sie begegnen einem auf Schritt und Tritt, Logos, Schriftzüge, Claims und Slogans - auch in der Kleidung. Menschen tragen Werbebotschaften zur Schau und skandieren über ihre Shirts Parolen - was ist davon zu halten?

Meist nur mässig bis gar nicht lustig: «sauglatte»T-Shirts
Bildlegende: Meist nur mässig bis gar nicht lustig: «sauglatte»T-Shirts

Der DRS-3-Stilsheriff Jeroen van Rooijen meint: Vielleicht tragen die Menschen diese Sachen als Kompensation eines kommunikativen Defizits? Sie verwechseln sich selbst mit einem Joghurtbecher, auf dem alles drauf steht, was drin ist.

Sie unterschätzen die Kraft der Mode und glauben nicht, dass die subtile Vielfalt der modischen Ausdrucksformen ausreicht, um ihre eindeutige, oft nicht einmal besonders individuelle Weltanschauung kenntlich zu machen.

Militär und Sportclubs sind die Vorreiter

Die Wurzeln der beschrifteten Kleidung reichen in zwei Richtungen: Zum einen in die Sportswear, zum andern ins Militär. Im Sport sind Vereinskennzeichen, Mannschaftsnamen, Spielernummern und Namen wichtig, denn nur so kann man auf dem Spielfeld das Individuum erkennen. Und natürlich ist auch der Sponsor von Bedeutung, der sich ein bisschen positiven Abglanz erhofft.

Im Militär ist es auch wichtig, den einzelnen Soldaten und seine Einheit zu identifizieren - notfalls auch, wenn er tot auf dem Feld liegt. Darum werden die Leute auch dort angeschrieben.

In Ordnung sind Sprüche, Slogans und Logos laut dem DRS-3-Stilorakel also nur, wenn es diesen beiden ursprünglichen Traditionen folgt. Wenn auf dem T-Shirt «US Navy Seals - Pakistan Unit» steht, dann erzeugt das eine gewisse Neugier, weil dies nichts gemein hat mit der beliebigen Zweideutigkeit der meisten üblichen Inschriften.

Auch ist ein traditioneller Sportverein völlig in Ordnung, Manchester United etwa, der All England Lawn Tennis Club oder auch die viel bemühte University of California in Los Angeles mit ihren typischen Pullovern. Das sind Klassiker.

Eine kleine Ausnahme will Jeroen van Rooijen dann machen, wenn intelligent gemachte Shirts subversive Botschaften transportieren, die zum Nachdenken anregen, oder auch für verballhornte Logos und Claims von Weltmarken. Das ist eine annehmbare Form von zivilem Ungehorsam und gesellschaftlichem Protest - aber nur für Menschen, die noch nicht 25 Jahre alt sind.

Das geht gar nicht

Ein sicheres No-Go ist es, wenn man die Inschriften eines argentinischen Polo-Teams trägt ohne zu wissen, wie viele Pferde und Reiter beim Polo gegeneinander antreten. Und einer, der «Float like a butterfly, sting like a bee» auf dem Shirt stehen hat, aber glaubt, das sei ein Zitat aus Biene Maja, der ist genauso zu bedauern wie einer, der seine politische Weltanschauung ungefragt anderen per Slogan um die Ohren haut. Das ist nicht raffiniert und deshalb stillos.

Und es zeugt auf jeden Fall von extremer modischer Unreife, wenn man auch noch dafür bezahlt, ein Logo eines Herstellers freiwillig spazieren zu führen, denn richtigerweise müsste man für solche Sachen Geld bekommen.

Autor/in: Jeroen van Rooijen