Casual Wear - gewusst wie

Die Woche vor Auffahrt ist für viele Menschen eine kurze - und weil viele die Brücke machen, ist am Mittwoch schon Freitag - Casual Wednesday statt Casual Friday. Doch was bedeutet dieses fremde Wörtchen «Casual» überhaupt?

In Japan sind die Mitarbeiter mancherorts verpflichtet Casual zu tragen.
Bildlegende: In Japan sind die Mitarbeiter mancherorts verpflichtet Casual zu tragen. giantrobot.com

Wörtlich heisst es «der Gelegenheit entsprechend», oder «den Umständen gemäss», aber das könnte auch sehr festlich sein, darum hat sich das Wort verselbständigt als Oberbegriff für eine Art von Kleidung und Benehmen, das locker, zwanglos, lässig, ungezwungen und eine Spur freizeitlich ist, ohne ganz auf traditionelle Form und Etikette zu verzichten. Casual ist etwa das, was die meisten Schweizer als ihren Kleidungsstil bezeichnen würden: Sportlich-elegant.

Die frühesten Belege für den Casual Friday finden sich schon in den fünfziger Jahren - der ungezwungene, etwas lässigere Dresscode am Freitag entsprang dem Wunsch, zum Ende der Arbeitswoche wenigstens der starren Form zu entrinnen, also nicht nur in Anzug und Krawatte bzw. in Kostüm und mit Foulard zur Arbeit zu kommen, sondern in einer Garderobe, die etwas entspannter und individueller wirkte.

Immer weniger Dresscode

Heute arbeiten die wenigsten von uns noch in einem Umfeld, das Wert auf traditionelle Dresscodes legt. Darum ist Casual überall: An der Uni, in der Werkstatt, in der Schule, am Schalter, auf der Strasse. Die Mode hat dafür auch ein hässliches Kunstwort gefunden: Man spricht von der „Casualisierung" der Outfits.

Mit Casual wird es aber nicht unbedingt einfacher, sondern oft komplizierter, weil es mehr Möglichkeiten gibt. Darum ist es fast einfacher zu sagen, was nicht casual ist: Der einfarbige Anzug, die Krawatte, die polierten Schuhe oder das feminine Kostüm, Business-Pumps und schlichte Blusen sind nicht unbedingt casual, sondern eher formal.

Ohne Krawatte

Auf der anderen Seite sind aber auch Jeans und Turnschuhe nicht Casual-, sondern Freizeitmode. Casual Wear heisst heute: Man versucht, einige Grundregeln zu behalten, also die Formen.

Für Männer sind dies das Hemd, das Jackett und die Hose. Wichtig aber: Die Krawatte lässt man weg. Casual mit Krawatte gibt‘s eigentlich nicht. Statt einfarbige Anzüge trägt man Kombinationen aus Hose und andersfarbigem Jackett. Eine gute Basis sind die gerade sehr populären Twillhosen oder Chinos, also rundgebügelte Baumwollhosen.

Keine Hoodies

Dazu ein sportiveres, etwas kernigeres Baumwollhemd, vielleicht mit Buttondown-Kragen - oder ein Polo-Shirt -, und ein Jackett, das eine sportliche Note haben kann. Auch Strick geht in Ordnung, so lange er gut sitzt. Und die Schuhe sollten schon ordentlich sein - Turnschuhe oder Sandalen wären zu salopp.

Bitte keine Hoodies oder T-Shirts ohne Kragen. Kurze Hosen und ärmellose Leibchen sowieso. Jeans sind denkbar, aber nur dunkel und elegant.

Frauen tragen vielleicht etwas mehr Strick oder auch Baumwollhosen statt Rock. Sicher auch weniger Rock und Strümpfe, tendenziell flachere Schuhe, vielleicht mal sportlichere Stiefel oder auch verspieltere Sachen wie Wickelkleider oder Blusenkleider mit femininen Details. Sicher nicht richtig wären aber sehr kurze Minis, Leggings, Ugg-Boots oder Kapuzenjäckchen.

Autor/in: Jeroen van Rooijen