Dekadenz pur: (H)Uhren und Schmuck-Messe 2012

Ab Mitte dieser Woche steht die Schweiz wieder im Mittelpunkt des Weltgeschehens - zumindest, was die Welt der Uhren betrifft. In Basel findet die Baselworld statt, die Weltmesse für Uhren und Schmuck. Aber warum findet diese Messe aber überhaupt in Basel statt?

Hinter den Kulissen der Baselworld geht es nicht nur um Uhren, sondern auch um leichte Mädchen.
Bildlegende: Hinter den Kulissen der Baselworld geht es nicht nur um Uhren, sondern auch um leichte Mädchen. key

Die Weltstädte der Uhrenbranche heissen Biel, La-Chaux-de-Fonds oder Genf. Doch Basel, die Stadt der Chemie, hat sich als Messeplatz der Horlogerie einen Namen gemacht, seit 1973 zum ersten Mal die «Europäische Uhren- und Schmuckmesse» stattfand. Damals mitten in der Quarzkrise, welche die halbe Schweizer Uhrenindustrie in kurzer Zeit dahinraffte waren nur europäische Hersteller zugelassen. Der Feind aus dem fernen Osten blieb vorerst draussen.

Uhrenindustrie im Aufwind

Den Niedergang der Schweizer Uhrenindustrie und den Siegeszug des Quarz konnte auch die Basler Messe nicht stoppen, bis Mitte der achtziger Jahre ging's mit der Branche bergab. Lustigerweise kam die Kehrtwende erst, als die Uhrenmesse 1986 auch für aussereuropäische Aussteller geöffnet wurde. 1999 wurde die wichtige Haupthalle erbaut, die auch grosse Standbauten möglich machte und seit neun Jahren heisst die Messe Baselworld. Heute geht es der Schweizer Uhrenindustrie so gut wie nie: Die Branche schreibt jedes Jahr neue Rekordergebnisse.

«Weltmesse für Huren und Schmuck»
In den Basler Messehallen werden veritable Häuser und architektonisch ambitionierte Pavillons mit mehreren Stockwerken aufgebaut, die teilweise aufwändige Lichteffekte haben oder auch Lounge-Bereiche mit Wasserspielen. Dazu kommt das bestangezogene, charmanteste und wohlerzogenste Personal, das man bekommen kann. Dem Vernehmen nach sind die nächsten zehn Tage auch alle Freudenhäuser der Region Basel ausgebucht. Man nennt die Baselword darum auch «Weltmesse für Huren und Schmuck».

1800 Aussteller in Konkurrenz

Neben Fachbesuchern aus aller Welt kommen aber auch und das ist das besondere an der Basler Uhrenmesse auch ganz normale Leute schauen, denn ab dem dritten Tag ist die Baselworld auch fürs zahlende Publikum geöffnet. 1800 Aussteller warten auf die Besucher. Und wenn man aber die andere, viel kleinere Uhrenmesse zum Massstab nimmt, den Genfer Salon International de la Haute Horlogerie von Anfang Januar, dann wird wieder Wert auf Klassik und diskrete Eleganz gelegt.

Die Klassiker sind wieder gefragt

Doch die klassischen Uhren sind nicht deswegen wieder gefragt, weil die Leute in unsicheren Zeiten nach stabileren Werten und sicheren Investitionen suchen, sondern wegen der Asiaten, welche von den Schweizer Uhren kaum genug kriegen. Die Chinesen stehen auf klassische, schlichte Modelle und deswegen werden die jetzt wieder hervorgeholt.

Bling-Bling ist pasée

Verschwunden ist dagegen der XXL- und Bling-bling-Effekt, den der russische Boom Mitte bis Ende des ersten Jahrzehnts mit sich brachte. Zwar hat man sich an Gehäuse von rund 40 Millimeter Durchmesser gewöhnt, doch immerhin: Die Uhren werden schlichter und flacher. Auch bei den Preisen gibt‘s - zumindest bei einigen Marken - eine sanfte Normalisierung. Noch vor drei Jahren hatte man das Gefühl, dass es unter fünfstellig bald nichts mehr zu kaufen gibt.

Autor/in: Jeroen van Rooijen