Der DRS-3-Ausverkauf-Guide

Jetzt werden wieder die Preise halbiert und der Lagerbestand mit Rabatten in den Laden gehängt. Und damit stellt sich eine essenzielle Stilfrage: Soll man den Ausverkauf meiden oder darf man sich guten Gewissens in die saisonale Rabattschlacht stürzen?

Die Läden mit den grossen «Sale»-Schriftzügen unbedingt meiden, meint unser Ausverkaufs-Trüffelschwein.
Bildlegende: Die Läden mit den grossen «Sale»-Schriftzügen unbedingt meiden, meint unser Ausverkaufs-Trüffelschwein. key

 

Es ist zwar sicher oft so, dass im Ausverkauf meist nur noch jene Ware rumhängt, die während der Saison schon niemandem gefiel oder gut stand, insofern ist Vorsicht geboten.

Es lockt das Rabattspektakel

Aber man müsste schon ein hartgesottener Snob sein, um sich dem halbjährlichen Rabattspektaktel ganz zu entziehen. Die besten Rabatte gibt es sicher bei den Modeläden, denn sie müssen die Lager räumen, um Platz fürs Neue zu machen. Und dabei sieht es so aus, als müsse der Handel nach einem sehr lauen, zweiten  Halbjahr 2011 noch einmal bluten und teilweise gute, aktuelle Ware zu Schleuderpreisen verhökern. Durch den starken Franken und den gerade modischen Einkaufstourismus ins Grenzgebiet sind die Lager noch recht voll.

Ein schlechtes Gewissen ist jedoch fehl am Platz. Der modische Einzelhandel hat normalerweise Margen von hundert bis zweihundert Prozent auf dem Einkaufspreis. Wenn man also ein teures Markenprodukt mit fünfzig Prozent Rabatt kauft, so bekommt der Händler immerhin noch den Einstandspreis und etwas Lager- und Personalkosten zurückbezahlt.

Altwaren nur mit 75 Prozent Preis-Nachlass

Erst ab etwa 70 Prozent tut‘s richtig weh. Aber siebzig Prozent Rabatt gibt‘s erst auf AW, dem Branchenkürzel für Altwaren. Denn man muss wissen, dass die Modehändler nicht dumm sind und die guten, zeitlosen Sachen, die auch nächsten Herbst noch passen, vorsorglich ins Lager hängen, statt sie zu Selbstkosten raus zu hauen. Vorsicht also vor Sachen aus der Vor-vor-Saison, die manchmal frech drunter gemischt werden und entlarvt werden können, indem man die Warencodes vergleicht. Auf solche Uralt-Ware sollte man mindestens 75 Prozent Rabatt bekommen, schliesslich wurde sie schon mit dem Abschluss der Vorsaison abgeschrieben.

Aufgepasst auch vor Sachen, die extra für den Ausverkauf herbeigeschafft wurden. Grosse Warenhäuser oder Modeketten schaffen zum Ausverkauf gerne auch noch etwas frische Ware heran, die teilweise aus überfüllten Lagern kommt, aber teilweise auch neu produziert und dann sofort runtergeschrieben wird. Schliesslich wollen die Leute auch reingelegt werden, das ist Teil des Saison-Schluss-Spasses.

Ketten- und Warenhäuser lohnen nicht

Ein Ausverkaufs-Trüffelschwein würde jetzt also nicht in die billigen Ketten und Warenhäuser gehen, in denen das Zeug schon das ganze Jahr über an der Untergrenze seines Werts verramscht wird, sondern jene Geschäfte aufsuchen, die man sich sonst nicht so selbstverständlich zu betreten wagt.

Auch wenn nicht in übergrossen Buchstaben «Sale» auf dem Schaufenster steht, sind die allermeisten exklusiveren Boutiquen und Markenanbieter bereit, saisonale Rabatte zu gewähren. Ganz auf den Sale verzichten tun eigentlich nur zwei grossen französischen Luxusmarken, Louis Vuitton und Hermès: Was dort hängen bleibt, wird in die zentralen Verteilzentren zurückgebracht und von dort über saisonale Lagerverkäufe und Outlets abverkauft. (jvr.)