Der Mode-Herbst 2012

Der Herbst meldet sich langsam an, und damit brauchen wir etwas mehr zum anziehen. Der DRS-3-Stilsheriff Jeroen van Rooijen weiss, was man haben muss - und was man getrost weggeben darf.

Barfuss ist jetzt wieder von gestern. Die neuen Stiefeletten warten schon.
Bildlegende: Barfuss ist jetzt wieder von gestern. Die neuen Stiefeletten warten schon. key

 

Die neue Herbstmode hängt ja bizarrerweise schon seit Juli in den Läden - und zwar wie Blei. Erst jetzt kommt die Saison langsam in Fahrt, und das ist keinen Tag zu früh, denn in vier Monaten ist ja schon wieder Weihnachten.

Die neue Mode dieses Herbstes ist nicht radikal anders als die des Winters 11/12. Weil immer mehr Menschen die rasch wechselnde Mode hinterfragen und Kleidung suchen, die länger als eine Saison mithält. Man muss also schon genau hinschauen, um das Neue zu identifizieren.

Damenmode: Opulenz und Weiblichkeit

Der Look wird opulenter und reicher, Dekorationen sind zu sehen, Samt und Brokat, Goldknöpfe sowie feine Krawattenmuster. Dazu kommt eine Palette von neuen Rottönen in Mode, die man auch untereinander kombiniert. Die Stoffe haben diesen Herbst oft recht deutliche Strukturen und lebendige Oberflächen, sie sind so richtig zum anfassen und erleben. Dazu gehört auch dicker Strick, der gerne auch in extragrossen Volumen daherkommt. Auf der anderen Seite gibt es so einen perfekten neuen Lady-Style mit taillierten Jäckchen und femininen Röcken, die Schösschen haben. Und dann hat schwarzes Glattleder ein grosses Comeback, so richtig schön glänzend.

Absolutes Schlüsselteil zur Saison ist ein überdimensionierter, etwa knielanger Mantel in einer Haute-Couture-Form im Balenciaga-Stil, mit einem weiten Rumpf aus fester Wolle und skulpturalen Armen und Kragen. Damit bekommt jedes Outfit, von Jeans und T-Shirt bis zum adretten Kleid, einen Hauch von fünfziger Jahre.

Männermode: Robuster Dandy

Die Männer sind weiterhin kernig und rustikal unterwegs, aber nicht mehr ganz so ungewaschen, unrasiert  und ungebügelt als auch schon - es wird wieder etwas eleganter, ein bisschen wie ein verwilderter Dandy oder barocker Bauer. England gibt wieder mal den Ton an, mit schön kratzigem Harris-Tweed und klassischen Karos oder Fischgrat-Mustern. Dazu gehören ordentliche Brogues, Schuhe mit Löchlimuster.

Die Styles für die Zwischensaison:

  • Spitzenblusen - waren im Sommer ein beliebtes Thema, luftig und feminin zugleich, und sie lassen sich sehr gut auch zu festen Stoffen kombinieren, zu denen sie einen guten Kontrast bilden - ideale Brückenteile zur neuen Opulenz des Herbstes.
  • Blütenprints - wer glaubt, dass die Natur nur im Frühling blüht, der muss umdenken, denn diesen Herbst geht das Thema Blumenmuster einfach weiter - in etwas dunkleren, satteren Farben, manchmal auch als Oversize-Motive.
  • 7/8 Hosen sind traditionell etwas für die wärmeren Jahreszeiten, doch im kommenden Herbst gehören die verkürzten, schmalen Hosen in 3/4 oder 7/8-Länge auch dazu - für Frauen, wohlgemerkt, denn Männer mit Geschmack tragen nie abgesägte Hosen!

Verabschieden müssen wir uns von:

  • Extrem kurzen Jeans-Hotpants mit aus dem Saum heraushängenden Hosentaschen. Die sehen eigentlich nur an extrem gut gebauten 16 bis 22-jährigen wirklich gut aus.
  • Tattoos, die zwar kein Kleidungsstück sind, aber dennoch en modisches Accessoire. Tattoos sind derart verbreitet, dass sie jedes Skandalpotenzial verloren haben. Es wird Zeit, dass dieses ganze Zeug wieder zugedeckt wird.
  • Babyrosa Polo-T-Shirts mit frechen Logos für Männer. Das ist weder cool noch lustig noch herzig noch schräg, sondern nur schrecklich und bieder. Alle Abercrombie & Fitch-T-Shirts also wie der Blitz fotografieren und auf Ricardo oder Ebay.