Der neue Powerschmuck

In der Mode kann man sich jedes Jahr wieder neu erfinden kann - oder zumindest periodisch. Was heute gut und richtig ist, ist manchmal das exakte Gegenteil davon, was noch die Generation davor schick fand. Und darum geht es auch beim Schmuck: Mehr ist mehr.

Gross, wuchtig, präsent: Schmuck an der diesjährigen Fashion Week in Lima.
Bildlegende: Gross, wuchtig, präsent: Schmuck an der diesjährigen Fashion Week in Lima. Keystone

Es geht um die Intensität, wie heute Schmuck getragen wird. Haben unsere Mütter noch gelernt, dass Echtschmuck das höchste aller Ziele ist, also vielleicht eine schöne goldene Kette oder ein Diamant-Solitär oder eine Perlenkette mit passenden Ohrsteckern, so pfeift man heute komplett auf diese Konventionen des guten Tons und trägt extradick auf. Es wird viel und opulent Schmuck getragen, grosse Stücke oder auch billiger Modeschmuck.

Zwar gibt auch heute noch Berufe, in denen man mit weniger Lautstärke besser bedient ist. Man kombiniert die Klassiker wie die Perlenkette oder den Diamant-Solitär aber teilweise lässig mit Modeschmuck und Neppzeugs, als bewusster Stilbruch. Es geht darum, dass man sich heute auch im Beruf immer weniger an Konventionen halten muss und sich selber inszenieren kann.  Die grossen Stücke werden auch möglichst alltäglich getragen, etwa zu Jeans und T-Shirt statt zur exklusiven Robe.

Es gibt mehr Raum für Kreativität, und Schmuck ist etwas ganz tief in der Kultur der Menschen verwurzeltes, es ist ein Urbedürfnis, sich zu schmücken. Das macht man heute mit allen möglichen, auch ungewohnten Materialien. Zum Einsatz kommen etwa viele Naturmaterialien wie Holz, Plastik, Glas, Plexiglas, Leder, Steine, Muscheln, Federn oder auch Recycling-Materialien.

Sichtbarstes Zeichen dieses Wandels ist die sogenannte Statement-Kette. Sie ist eine Art Oversize-Collier und für konventionelle Begriffe viel zu gross, wuchtig und präsent. Es ist eine Art Filmschmuck, wie aus der Theater-Requisite oder aus einem Kleopatrafilm. Solch markanter Schmuck gehört heute zum Standardrepertoire von hippen Modemarken wie Marni, Prada oder Bottega Veneta, doch die Kopien davon gibt‘s auch bei den Discountern. Schliesslich hat auch der österreichische Glassteinchenschleifer Swarovski sicher einen grossen Verdienst an dem Trend.

Auch die Männer schwimmen tapfer mit und tragen heute mehr und selbstbewusster Schmuck denn je. Beliebt sind Leder- oder geflochtene Stoffarmbänder, wuchtige Fingerringe, Halsketten mit mystischen Motiven oder Tieren sowie auch immer mehr Ohrringe. Die ganz Wagemutigen tragen auch Diamanten, wobei das schnell ein bisschen nach Dealer oder Fussballer aussieht.

Autor/in: Jeroen van Rooijen