Die Männermode im Winter 2012/13

Während wir hier auf den Frühling 2012 warten, ist in Mailand und Florenz schon wieder Winter, und zwar Winter 12/13 - die Modewelt präsentiert ihre Männerkollektionen. Die beiden Städte senden unterschiedliche Signale aus.

Gemäss Dolce & Gabbana soll sich die Männerwelt nächsten Winter so kleiden.
Bildlegende: Gemäss Dolce & Gabbana soll sich die Männerwelt nächsten Winter so kleiden.

Verkürzt gesagt: In Florenz sieht man das, was sein wird, und in Mailand das, was sein könnte, oder vielleicht in zwei Jahren sein wird. Florenz ist realistischer und marktnäher, Mailand avantgardistischer und visionärer.

An der Pitti Uomo in Florenz wird das eingekauft, was kommenden Herbst das Sortiment der meisten Herrenausstatter prägen wird. Hier geht es nicht wie in Mailand um das kreative Statement oder originelle Shows, sondern um einen recht handfesten Realismus. Hier gibt sich vom lokalen Handwerkskünstler über den Cravatier bis zu den grossen Konfektionären jeder recht marktnah. Schliesslich werden hier Budgets verteilt und nicht Schlagzeilen gemacht.

Spannend ist die Florentiner Männermodemesse der einzigartigen Kombination aus handwerklicher Tradition und modischer Innovation wegen. Sie lockt ein Publikum an, das nach dem sucht, was es auch heute in Italien noch in grosser Zahl gibt: Kleine, familiengeführte Manufakturen, die textile Spezialitäten produzieren.

Modisch gibt viel Strick den Ton an: am sichtbarsten in Form von feinen Cardigans oder grossen, gegürteten Strickjacken mit Schalkragen, die teilweise als Mantelersatz getragen werden. Sogar Vestons und Cabans werden aus gestrickten Waren geschneidert. Und natürlich die gestrickte Krawatte. Die Stoffe haben oft einen wolligen Charakter, strukturierte Oberflächen und durch Waschungen oder mechanische Behandlungen der Oberfläche teilweise sehr voluminöse Warenbilder.

Bei den Sakkos und Anzügen ist der kurze, taillierte Zweireiher der neue Star: Man trägt ihn mit aufgesetzten Taschen und einem recht breiten Revers. Wer noch einen dicken Cashmere-Schal darunter wurstelt, ist ganz vorne mit dabei. Die Haifischkragen der Hemden haben sanft abgerundete Kragenspitzen. Bei den Hosen versuchen sich alle an schmal geschnittenen, sanft auf Vintage getrimmten Chinos, also robusten Baumwollhosen.

In Mailand wird‘s bereits wieder eleganter: Während sich der modische Mainstream in Florenz noch immer intensiv mit den Themen Vintage und Rustikalität beschäftigt, dreht die Mailänder Avantgarde bereits wieder in Richtung veredelter, eleganter Silhouetten und Oberflächen.

Das neue Ideal ist eine schmale, präzise und recht perfekte Silhouette ohne grosse Schnörkel. Statt Holzfäller und Schafhirten faszinieren die Mailänder Designer nun wieder urbane und dandyeske Rollen, wie sie Prada oder Gucci zeigten.

Eine kühne Provokation waren die schmal geschnittenen Stiefeletten mit etwa sieben Zentimeter hohen Absätzen von Bottega Veneta, welche das Bein des Mannes strecken und für eine extrem selbstbewusste, fast aufreizende Präsenz des Vorführpersonals sorgte. Man muss also ein ziemlicher Kerl sein, um diese Absätzchen zu tragen.

Jeroen van Roojien