Fashion Week in Berlin - unser Stilfachmann bringt die Trends mit

Die Berliner Modewoche besteht aus einer Vielzahl von Events, also nicht nur der «offiziellen» Fashion Week, die von Mittwoch bis Samstag dauert und während der rund 30 Designer ihre Kollektionen zeigen. Jeroen van Rooijen hat sich in's Getümmel gestürzt.

Und sie stöckeln wieder über die Laufstege - diesmal in Berlin. Diese luftige Robe der ukrainischen Designerin Lessja Verlinieri stellt ganz besondere Herausforderungen in Sachen Balance an das Model.
Bildlegende: Und sie stöckeln wieder über die Laufstege - diesmal in Berlin. Diese luftige Robe der ukrainischen Designerin Lessja Verlinieri stellt ganz besondere Herausforderungen in Sachen Balance an das Model.

Ausserdem findet auf dem ehemaligen Flughafengelände Tempelhof eine der weltgrössten Messen für Jeans- und Streetwear statt, sie heisst «Bread & Butter» und lockt Zehntausende von Einkäufern aus ganz Europa an.

Und dann ist da noch eine weitere Messe, die «Premium» in einem stillgelegten Bahnhof, wo Hunderte von exklusiveren Designermarken ihre Kollektionen zeigen.

Extremer Aufwand bei den Grossen

Natürlich geht es bei diesen Messen nicht nur ums Verkaufen, sondern auch darum, eine Marke zu präsentieren, und darum betreiben die grösseren Marken einigen Aufwand punkto Standbau.

Die kleinsten Marken kommen mit einem Kleiderständer und drei Quadratmeter aus, doch die grossen Marken haben ganze Hallen und mehrstöckige Bauten. Bei Tommy Hilfiger gibts dieses Jahr etwa einen Outdoor-Pool, in dem ein Grüppchen sehr gut aussehender und gut gebauter junger Menschen in den neuesten Badehosen planscht.

Bunt und leicht soll es sein

Das wichtigste Stichwort für den Sommer 2012 ist Leichtigkeit: Viele Stoffe sind echte Fliegengewichte, man spricht auch wieder viel von Seide. Der Look ist etwas cleaner und perfekter, aber noch immer casual und crossover, also zwischen Street Style und neu entdeckter Klassik. Die Farboffensive, die dieses Frühjahr angefangen hat, geht weiter. Auffallend ist eine grosse, anhaltende Welle von Blautönen, doch haben auch eigenartige Rottöne wie ein dunkles Orange oder Ziegelstein viel Kredit.

Berlin ist nicht Paris - sondern cooler

Natürlich ist Berlin nicht Paris und Mailand, wo der Modezirkus seit Jahrzehnten zwei Mal im Jahr halt macht. Berlin hat erst seit etwa fünf Jahren eine regelmässig, also jede Saison stattfindende Modewoche, und die steckt entsprechend manchmal noch ein bisschen in den Kinderschuhen.

Nicht alle Namen, die auf dem offiziellen Kalender stehen, überzeugen auch wirklich. In Berlin geht es ums Lebensgefühl, ums Image und auch um Spass, da sind andere Modemessen, etwa Düsseldorf, sicher viel kommerzieller, aber auch weniger reizvoll. Man kann noch experimentieren und Neues entdecken, sicher im Rahmen der vielen Begleitveranstaltungen, die sich an die grossen drei Events andocken.

Das Trendviertel wird unerschwinglich

Berlin ist derzeit sicher die innovativste und jüngste Stadt Nordeuropas, und viele der Besucher nutzen die Tage denn auch, um ein paar Stunden durch die Strassen zu schlendern und Cafés und Läden zu entdecken.

Der Boom im Stadtteil Mitte geht weiter, da sind die Mieten inzwischen so hoch, dass die jungen Läden der Pionierzeit bereits weiter ziehen, an die Torstrasse, weiter nördlich, nach Kreuzberg oder auch in den alten Westen, wo noch vieles leer steht. In Mitte haben die grossen Ketten und Filialisten Einzug gehalten, und diese berauben den populären Stadtteil seines Charmes. (jvr)

Autor/in: Jeroen van Rooijen