Fitness-Klamotten – der Dresscode

Es gibt die, die trainieren im verwaschenen Leibchen und ausgeleierten Trainerhosen. Und dann gibt es die, die ziehen für den Besuch im Fitness-Center die allerneuesten Techno-Sportklamotten an. Welche haben Recht? 

Keine Fitness-Stilikone: Christoph.
Bildlegende: Keine Fitness-Stilikone: Christoph. SRF 3

Die Fitnesscenter sind im Januar so voll wie das ganze Jahr nicht mehr. Lauter neue Mitglieder kämpfen auf den Maschinen gegen die über Weihnachten angefressenen Pfunde und gegen den Winterkoller an. Sie sind grausig bis superschick angezogen.

Es gibt die, die fanden das Abo schon teuer genug und kommen deshalb in notdürftig frisch gemachten Strassen-Turnschuhen, labbrigen Turnhosen und T-Shirts, in denen sie vielleicht sonst auf dem Sofa vor dem Fernseher liegen. Sie sind ein trauriger Anblick, weil für ihre Mitmenschen kaum motivierend man fragt sich beim Anblick solcher Mitmenschen, ob man den Kampf gegen Schwerkraft und Alter nicht besser gleich aufgeben sollte.

Dann aber sieht man jemand schönes, in frischer und gepflegter, gut sitzender Sportkleidung, und denkt sich, dass sich das Gestemme und Gestrampel ja doch lohnt.

Anders gesagt: Man kleidet sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen. Das gilt im Fitnesscenter, wo man alle ja am gleichen Ziel arbeitet, nicht weniger als im Büro. Wie sich jemand anzieht, sagt viel über das eigene Selbstwertgefühl, aber auch über den Respekt vor Mitmenschen. Es braucht also spezifische Fitnesskleidung findet der SRF-3-Stilsheriff.

Primär geht es darum, die Belästigung seiner Mitmenschen im Fitnessstudio zu minimieren. Die wichtigste Regel lautet: Man zieht sich an, nicht aus. Wenn man nicht gerade Zumba oder ähnlich schweisstreibendes Powerfitnesszeug macht, soll man seinen Leib so weit wie möglich bedecken. Hosen sollten so lang wie möglich sein, nicht so kurz wie es geht. T-Shirts sollten Ärmel haben, zumindest bis zum Bizeps. Und der Bauch wird höchstens dann frei gelegt, wenn er absolut makellos ist.

Was gar nicht geht: Wenn man seine Mitmenschen in kurzen Running-Hosen und Trägershirts auf den Maschinen vor sich hinsaften sieht und man nachher nicht recht weiss, ob man sich noch auf dieselbe Maschine setzen möchte. Leider wird oft in Lumpen herumgeturnt, die jeder Vernunft spotten. Und alles mit Schweiss vollgemacht. Klar, jeder sollte die mühsam erarbeiteten Muskeln sehen, aber bitte: doch erst nach der Leibesertüchtigung. Ärmel und minimale Beinlänge sind also obligatorisch, ärmellose «wife beater»-Shirts und Hotpants gehen nicht.

Auch draussen, auf der Finnenbahn oder auf dem Vita-Parcours, plädiert das SRF-3-Stilgewissen für ein ähnlich rigoroses Tenue Funktions-Vollmontur. Jeroen van Rooijen sagt: Je ernsthafter jemanden sich für seinen Sport kleidet, umso tiefer verneige ich mich vor ihm. Wer sich für den Sport entsprechend anziehe und nicht irgendwelche abgetragenen Lumpen anziehe, der sei vielleicht nicht schneller als in einem alten Shirt und einer Turnhose, aber: Er sieht besser aus. Und das ist eine nicht unwesentliche Motivation, um Sport zu treiben.

Worauf es ausserdem noch ankommt: ein gutes Mass an individueller Hygiene.

«Man kann hinter dem schönsten Füdli herjoggen, wenn dieses eine Fahne von abgestandenem Schweiss hinter sich herzieht, ist es mit meiner Sympathie vorbei», findet der SRF-3-Stildoktor. Das gelte im Fitnesscenter noch mehr als draussen im Wald. Zu guter letzt noch dies: Nicht unnötig schwer schnauben und stöhnen! Es ist nichts ekliger als jemand, der unter der Last der Maschine klingt, als müsse er  gerade eine Samenspende abgeben. Das vorsätzliche Keuchen sollte von Fitnesscenter so streng geahndet werden wie das Missachten von Dresscodes.

Autor/in: Jeroen von Rooijen