Fussballer als Stilhelden

Am Dienstagabend haben es die Basler Kicker in der Hand, den übermächtigen FC Bayern-München erneut in die Knie zu zwingen. Doch auch abseits des Fussballplatzes faszinieren die Kicker, denn: Fussballspieler sind die Stilhelden von heute.

Nach glorreichen Fussball-Jahren bei Manchester United und Real Madrid, macht David Beckham inzwischen mehrheitlich als Stil-Ikone Schlagzeilen.
Bildlegende: Nach glorreichen Fussball-Jahren bei Manchester United und Real Madrid, macht David Beckham inzwischen mehrheitlich als Stil-Ikone Schlagzeilen. Keystone

Den Papst im Vatikan mag es ärgern, aber: Fussball ist die führende Religion von heute, und die Fussballer sind die Heiligen dieser weltweit tätigen Sekte, die vom Zürichberg aus gesteuert wird.

Fussball einigt die Leute und bringt sie gegeneinander auf, und deshalb sind die Gladiatoren dieser Sportart heute so wichtige Identifikationsfiguren. Sie sind ausserdem wichtige Verkaufsförderer für die zweite grosse Weltreligion von heute: Das Shopping.

Krumme Beine, schlecht erzogen

In der freien Marktwirtschaft würde allerdings alles gegen Fussballspieler sprechen: Sie sind sie nicht nur meist kleinwüchsig und haben O-Beine, sondern sind eher schlecht erzogen, stammen aus maximal mittelprächtigen Dynastien, arbeiten zu unmöglichen Zeiten und haben im Normalfall eine Karriere vor dem Bug, die keine zwanzig Jahre dauert. Doch genau das ist der Reiz daran: Sie kommen von ganz unten, und ihr Talent spült sie nach ganz oben. Das macht sie zu perfekten Projektionsflächen.

Dass Fussballspieler auch Stilhelden sind, ist sicher ein neueres Phänomen. So ist nicht bekannt, dass Diego Armando Maradona oder Paul Breitner die Modedesigner beeinflusst hätten oder dass Armani seine Unterhosen auf ihnen fotografiert hätte. Sie sahen ja meistens eher schräg als gut aus.

Du hast die Haare schön

Die beste Frisur aller Zeiten hatte Rudi Völler - oder war das eher Ruud Gullitt? Und dann gab es die Typen, welche vor allem mit ihren heissen Bräuten brillierten, die bis heute die Yellow Press bevölkern: Sie hiessen Lothar Matthäus, Oliver Kahn oder Michael Ballack.

Fussballspieler sind heute perfekten Konsumenten, weil sie in recht kurzer Zeit zu grossem Wohlstand kommen, dieses Geld gerne freizügig ausgeben und permanent im Rampenlicht stehen. Entsprechend ist ihr Stil nicht gerade diskret: Sie haben in aller Regel viel Spass daran, ihren Wohlstand offensiv zur Schau zu tragen, mit weit herum sichtbaren Labels, teuren Accessoires, dicken Uhren und breitspurigen Autos. 

David Stilikone Beckham

Der Über-Stilheld aller Fussballer ist heute David Beckham. Ursprünglich war „Becks" wohl ein sehr guter Fussballspieler, als er vor fast zwanzig Jahren zu Manchester United kam - aber das war Wayne Rooney auch einmal, und trotzdem ist der kein Stilvorbild geworden. Beckham sah aber auch gut aus, und: Er angelte sich eine absolute Mega-Hyper-Super-Glamour-Tussie, die aus dem gut aussehenden Fussball-Dandy eine Style-Überfigur gemacht hat.

Die Idole sind von heute sind maskuliner und kerniger als Beckham. Männer sind heute nicht mehr glattrasierte Glamour-Bubis mit Gel in den Haaren, sondern kernige Typen mit etwas Bart und einem finsteren Blick. So ist das zeitgenössische Männeridol näher bei Zinedine Zidane, dem ungestümen Superfranzosen, der immer ein wenig bedrohlich war und das zum Schluss seiner Karriere 2006 gegen einen arroganten Italiener auch auf ganz unnachahmliche Weise inszenierte.

Keine Stil-Leuchten beim FC Basel

Beim Spiel Basel vs. Bayern vom Dienstagabend sind allerdings kaum Stilvorbiler auszumachen. Xherdan Shaqiri, der kurzbeinige Wirbelwind der Basler, der demnächst zu Bayern geht, hat zwar unzweifelhaft ein grosses Ego, aber zum Stilvorbild taugt er mit seinem mittelprächtigen Secondo-Style nicht. Auch Alex Frei und Marco Streller sind keine Stil-Leuchten. Als Gentleman-Fussballer fällt höchstens der Veteran Scott Chipperfield auf.

Bei den Bayern kann man Bastian Schweinsteiger oder Philipp Lahm vergessen, dagegen fällt der unattraktive, aber irgendwie faszinierende Franck Ribéry auf, der natürlich keinen Stil hat, aber viel Style. sowie natürlich der sympathische Arjen Robben, Chipperfields stilistischer Counterpart in München.

Will heissen: Stilistisch gibt‘s ein Unentschieden, mit leichtem Heimvorteil für die Münchner. Ich wünsche mir aber, dass die Basler gewinnen, denn sie sind die Underdogs, und es wäre ganz im Sinne der Fussball-Mythologie, wenn sie gewännen.

Autor/in: Jeroen van Rooijen