Genie und Wahnsinn in der Mode

Schon der griechische Denker Aristoteles sagte: "Es gibt kein grosses Genie ohne einen Schuss Verrücktheit." Ohne einen guten Schuss angewandter Verrücktheit kommt auch die Modebranche nicht aus, deren Exponenten manchmal nur liebenswert crazy, manchmal aber auch wirklich schwer durchgedreht sind.

Models präsentieren in Paris gewagte Kreationen von Alexander McQueen.
Bildlegende: Models präsentieren in Paris gewagte Kreationen von Alexander McQueen. Keystone

Die Wissenschaft hat nachgewiesen: Kreative Menschen haben einen grobmaschigeren Filter, wenn es darum geht, Reize und Eindrücke zu ignorieren, um mit der Welt zu Recht zu kommen. Kreative können diese Eindrücke also weniger gut ausblenden, sie haben eine geringe Reizschwelle.

Um trotzdem an mehreren Dingen gleichzeitig arbeiten zu können, müssen Kreative diesen Mangel mit Intelligenz kompensieren. Wenn man aber nicht aufpasst oder nicht schlau genug ist dann wird die Vielfalt an Emotionen und Informationen zur Reizüberflutung und die Kreativen beginnen, verrückt zu werden.

Der kleine feine Unterschied
Allerdings liegt ein wichtiger Unterschied zwischen kreativer Verrücktheit und echtem Wahnsinn. In den meisten Fällen hat die Verrücktheit Charme  und man meint, wenn man von "kreativen Wahnsinnigen" spricht oft einen Menschen, der sich an keine Regeln hält. Solch exzentrischen und narzisstischen Modedesigner wie Karl Lagerfeld, Valentino oder Marc Jacobs sind darum auch gerne gesehene Gäste.

Sie bereichern mit ihrer spleenigen Art das Leben. In dem Kontext lässt sich auch der TV-Designer Harald Glööckler einordnen er stillt eine grosse öffentliche Sehnsucht nach dem kreativen Verrücktsein. Auch Vivienne Westwood ist ein liebenswert "verrücktes Huhn", über das man sich in der Regel freut weil sie zwar crazy aussieht, aber durchaus bei Sinnen ist.

Irgendwann drehen sie durch
Bei anderen geht die Verrücktheit aber etwas weiter sie drehen effektiv durch. Es gibt von Fachleuten nachgewiesene Zusammenhänge zwischen Hochbegabungen und schweren psychischen Erkrankungen.

Manchmal verschieben sich diese Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn im Laufe von Karrieren. Supertalente wie ein John Galliano sind zu Beginn vor allem ausserordentlich kreative Menschen, die über die normalen Grenzen hinaus gehende Begabungen besitzen doch irgendwann drehen sie durch, oft auch unter dem Einfluss von Drogen und Alkohol.

Der Fall von Galliano war ein besonders schwerer wie dieser überaus talentierte Designer antisemitisch ausfällig wurde und dann vom höchsten Thron der Mode bei Dior ins bodenlose fiel, ist auch in der Welt der Mode aussergewöhnlich.

Erfolgreich, aber unter Druck
Auch bei Alexander McQueen, der sich im Februar 2010 das Leben nahm, waren viele Drogen im Spiel, kombiniert mit Medikamenten. McQueen war zur Zeit seines Suizids zwar äusserst erfolgreich, aber natürlich auch sehr unter Druck. Zudem neigte er zu schweren Depressionen.

Er nahm sich neun Tage nach dem Tod seiner über alles geliebten Mutter das Leben, indem er Tabletten schluckte, seine Pulsadern aufschnitt und sich mit seinem Lieblingsgürtel im Kleiderschrank erhängte.

Die Rolle der Mutter
Die starke Beziehung zur Mutter ist ein typisches Muster für Modedesigner auch bei Karl Lagerfeld oder Wolfgang Joop, den beiden wichtigsten deutschen Designern, war die Mutter eine alles prägende, dominante Figur.

So war es auch bei Yves Saint Laurent, der zeitlebens eine starke Mutterbindung hatte und der in jungen Jahren schon psychisch aus der Spur geriet, als er ins Militär eingezogen wurde und an der rauen Männerwelt der Kasernen zerbrach.

Autor/in: Jeroen van Rooijen