Grillieren - aber bitte mit Stil!

Es gibt beim Grillieren, wie in der Mode und im Wohnen auch, viele Stile. Doch nicht alle haben Stil. Eine kleine Typologie des Feuermanns.

Am Grill bleibt der Mann der Chef.
Bildlegende: Am Grill bleibt der Mann der Chef. Keystone

Eines vorweg: Grillieren scheint auch im Zeitalter von fortgeschrittener Emanzipation und Gender Bending eine Männersache. Eine Conchita Wurst am Grill ist trotz eines an sich prädestinierten Namens! nicht denkbar, für die Handhabe von Glut und Grillgut braucht es gestandene Männer, die in der einen Hand die Feuerzange und in der anderen ein kühles Bier halten.

Männer verteidigen ihren Grill
Für viele Männer ist Grillieren ein Stück autonomes Territorium in einer sonst von Frauen dominierten Haushalt- und Familienumgebung. Und dieses Territorium verteidigen sie mit allem Machismo.

Für den Grill-Freund gilt, bewusst oder unbewusst: Wer ich bin (oder sein will), sagt mein Grill. Ähnlich wie beim Automobil oder der Wahl einer Stereoanlage zeigt der Mann mit der Wahl seines Grills weniger sein Können als seine Ambition. Natürlich hilft einem grosse Technik, auch Grosses zu erschaffen. Aber nicht immer ist das Ergebnis gleich toll wie das Gerät, das im Einsatz ist.

Dem einen, bescheidenen Zeitgenossen gelingt auf offenem Feuer im Wald ein köstliches Filet, der andere, der mit dem mehrstufigen Profi-Grill-Deck hantiert, schafft vielleicht trotzdem nur gerade einen halbverkohlten Cervelat. Wie überall im Leben gilt: Übung macht den Meister!

Nichts gegen den Kugelgrill
Gegen einen guten alten Kugelgrill, wie er auf so manchem Camping steht, kann man nicht viel einwenden. Das Prinzip ist bewährt und sorgt, von einem halbwegs begabten Grillmeister befeuert, für sehr gute Ergebnisse. Würste, Blätzli, Pouletschenkel, Hamburger, vielleicht etwas Gemüse für die vegetarische Schwiegertochter; dieser Grill gibt alles her. Allerdings muss man die Sache mit der Holzkohle gut im Griff haben und schliesslich: Nicht jedem schmeckt Holzkohle gleich gut. Ein Kugelgrillierer ist ein Mann der Mitte, fährt ein Mittelklasseauto und fühlt sich wohl, wenn er keine Krawatte tragen muss, sondern seine Dreiviertelhose und sein Hoodie.

Zunehmend populär sind auch Outdoor-Öfen, die gleichzeitig als offene Feuerstelle zum Grillieren über Glut wie als Backofen für Pizza oder andere Ofengerichte funktionieren. Dieser Mann ist vermutlich einer, der sich selbst einen robusten Offroader und seiner Frau einen sparsamen Hybrid gönnt, in diskret veredelten Designerjeans herumläuft und sich auch mal ein paar Wochen einen trendigen Bart stehen lässt, bevor er wieder in die Zivilisation zurückkehrt.

Eine Variante davon, die sich gerade ausbreitet, ist die Fraktion der Smoker, deren Gerätschaften ein wenig wie alte Dampflokomotiven aussehen und das Grillgut vor allem räuchern, statt es zu versengen.

Wer grillt muss auch putzen!
Dann gibt es den Hochseekapitän unter den Grillierern die mit dem fetten, mehrere Etagen tiefen Grill-Decks, das den halben Balkon beansprucht und sich nur mit viel Kraftaufwand verschieben lässt, von einer wuchtigen Gasflasche befeuert wird und die meiste Zeit unter einer Schutzhülle abgedeckt dasteht. Dieser Mann versteht Grillieren als kompetitive Disziplin, in der es Freunde und Kameraden zu besiegen gilt.

Er putzt seinen Grill nach geschlagener Schlacht mit der gleichen Inbrunst, wie er die verchromten Felgen seines Sportwagens poliert. Er schmeisst dicke Koteletts, exklusive Spiesse und exotische Meerestiere auf den Grill und brüstet sich, dies von einem Weltmeister so gelernt zu haben. Ein elektrischer Kerntemperatur-Thermometer hält seine Ambition in der Spur, so wie es die elektronische Stabilitätskontrolle beim Auto tut.

Die Königsdisziplin kostet nichts
Schön und gut, wenn sich jemand in eine solche Materialschlacht stürzt der Wirtschaft kann's nur nützen. Die Königsklasse des Grillierens ist aber die, die ohne grosse Investitionen auskommt: Mit ein bisschen trockenem Geäst, etwas Fallholz und ein paar Steinen im Wald, am offenen Feuer brätelnd. Wer mit dieser archaischen Basis etwas Gutes schaffen kann, ist wirklich ein Könner.

Den guten Salat dazu hat er schon zu Hause vorbereitet und mitgebracht, ebenso wie den gekühlten, leichten Rotwein. Ein solcher Mann kann auch ein altes T-Shirt und eine Jeans mit Würde tragen, und er fährt den alten, offenen Fiat Panda mit mehr Würde als so manch anderer Herr seinen neuen Bentley.

Autor/in: Jeroen van Rooijen