Grosse Brillen - Trend oder Landplage?

Inzwischen hat sie bald jeder Teenager: Die grossen, modisch extrem angesagten Brillen, die aus jedem Schneewittchen sofort ein Aschenputtel machen. Grosse, dicke Brillen sind überall, und man fragt sich: Wo wird das noch hinführen?

Das Brillenmodell dieser Inderin ist uns leider nicht bekannt.
Bildlegende: Das Brillenmodell dieser Inderin ist uns leider nicht bekannt. Keystone

Vor etwa acht Jahren war es plötzlich augenfällig: Besonders junge, gut aussehende Hipsters, für die man damals noch keinen Namen hatte, die aber gerne so ein bisschen auf Retro machten, trugen die Brillen ihrer Grosseltern. Und man wusste nicht so genau: Sind das die Buddy-Holly-Brillen der 50‘s, die Woody-Allen-Brillen der 70‘s oder die postmodernen Brillen der achtziger Jahre?

Für Menschen mit viel Freizeit

Ursprünglich waren es vor allem It-Girls oder auch Topmodels, also Menschen mit überdurchschnittlich viel Freizeit, medialer Beachtung und Stilwillen. Sie sorgten für den Nährboden zum Hype. Vorbilder waren Yves Saint Laurent, Woody Allen, James Dean, Clark Kent oder Nana Mouskouri.

Heute haben sogar Taylor Swift, Justin Bieber, Schweizer Ex-Missen und Madonnas Tochter Lourdes so eine Brille. Und es sind längst nicht nur Menschen mit einem Sehfehler: Ein Zürcher Optiker berichtet, dass er auch Menschen ohne Sehfehler Brillen verkaufen könne, einfach so, als Schmuckstück.

Man sollte attraktiv sein...

Allerdings: Man muss, damit der Witz mit der dicken Brille auch funktioniert, wirklich sehr, sehr attraktiv sein. Diese dicke Brille ist nämlich letztlich der ultimative Beweis für Schönheit, denn wer mit so einem Ding noch immer gut aussieht, der ist wirklich gut aussehend.

Nun haben aber fatalerweise viele mittelmässig hübsche Menschen einen fatalen Umkehrschluss gemacht und gedacht, dass sie dann auch so heiss aussehen wie ein Model, wenn sie so eine dicke Brille tragen. Das Gegenteil ist der Fall.

Massenspektakel

Darüber, ob der Trend seinen Zenit nun erreicht hat, wird schon seit 2005 diskutiert. Heute, sieben Jahre später, wird noch immer darüber verhandelt. Nüchtern betrachtet haben wir das Stadium des Hypes allerdings schon lange überschritten, das Phänomen ist zum Massenspektakel geworden, das auch bei Fielmann oder McOptik für Umsätze sorgt.

Eine Steigerung ist nur noch denkbar - aber nicht ausgeschlossen! - falls McDonalds solche Brillen etwa gratis zu einer Schachtel Chicken Nuggets dazu gibt.

Was kommt danach? Man beobachtet wieder mehr rundere Modelle - etwa die etwas romantische Panto-Form. Danach kommt dann die Le-Corbusier-Brille, die an den grossen Architekten erinnert, oder auch die kleine runde Nickelbrille, wie sie Steve Jobs und John Lennon anhatten. Und schliesslich darf man den feinen Hermann-Hesse-Brillen wieder Kredit geben ...

Autor/in: Jeroen van Rooijen