Helden der Arbeit als Trendsetter

Mögen die Parolen zum 1. Mai heute nun doch ein bisschen abgestanden klingen, so ist es dennoch der arbeitende einfache Mann, also der Proletarier, der auch in der Mode als echter Held gefeiert werden darf.

Die Uniform – von der funktionellen Kleidung von einst in den Kleiderschrank von heute.
Bildlegende: Die Uniform – von der funktionellen Kleidung von einst in den Kleiderschrank von heute. colourbox

Denn er ist es, von dem man sich seit über hundert Jahren die Ideen klaut - Stichwort Workwear.

Die Beinkleidung eines Hirten

So einflussreich wie einst die arbeitende Klasse waren seither nur die Sportler. Unser wichtigstes Kleidungsstück überhaupt, die Jeanshose, ist ursprünglich ein Stück Arbeitsbekleidung von Viehhirten.

Auch das T-Shirt ist eine Erbschaft von den Seeleuten, abgeleitet vom Takelhemd, so wie der jetzt wieder modische Kapitäns-Zweireiher vom Schiff kommt. Die Latzhose ist eine Art halber Overall von Landarbeitern, und das Holzfällerhemd trägt seine proletarische Herkunft ja schon im Namen. Sogar Moonboots sind Arbeitskleidung, nämlich die von Astronauten.

Blue Collar Workers

Ausserdem ist das hellblaue Hemd, das heute so manch ein Kadermann trägt, ursprünglich auch ein Merkmal der Arbeiterklasse - das Blue Collar Shirt trugen einst einfachere Angestellte, weil man den Schmutz nicht so schnell sah wie bei weiß, das nur die Chefs anhatten.

Am deutlichsten zelebrierten ab 1969 die Skinheads den Look der Arbeiter. Sie zitierten, bevor ihre Gattung politisch in Verruf kam, ganz bewusst proletarische Elemente, von den Springerstiefeln bis zu den Bomberjacken. Und dann nicht zu vergessen : die Village People in den späten 70s - von fünf waren drei in Arbeitsbekleidung unterwegs, nämlich der Polizist, der Bauarbeiter und der Cowboy.

Uniformen als Trendsetter

Gute Ideen kamen auch immer aus den Uniformen und vom Militär, die bis Anfang oder Mitte der Siebziger Jahre oft eine tolle Qualität hatten. Den Militärs verdanken wir auch Camouflagemuster, Combathosen, Parkas und Anoraks und die gerade sehr populären Chinos.

Die am besten angezogenen Büezer sind aber noch immer die Zimmerleute, also Schreiner auf der Walz, mit ihren schwarzen Cord-Schlaghosen, dem Wams, dem Zylinder und dem ganzen traditionellen Styling. Das ist ein unheimliches starkes Zeichen dafür, wie wichtig Mode auch dort sein kann, wo sie eben nicht Mode, sondern Kleidung ist.

Moderation: Jeroen van Rooijen, Redaktion: Jeroen van Rooijen