Karl Lagerfeld wird 80

Dieser Tage wird der berühmteste Modemacher unserer Zeit 80 Jahre alt - oder 75, wie er selber behauptet. Wer ist der Mann mit dem weissen Zopf, und wie schafft Karl Lagerfeld es, in diesem Alter noch so hart zu arbeiten?

Karl Lagerfeld: Er isst nur gedämpftes Gemüse, Früchte und Fisch, nichts anderes.
Bildlegende: Karl Lagerfeld: Er isst nur gedämpftes Gemüse, Früchte und Fisch, nichts anderes. Keystone

Karl Lagerfeld hat aus seinem wahren Alter immer ein Versteckspiel gemacht. So behauptete er lange, 1938 geboren zu sein. Später, als Urkunden auftauchten, die ein Geburtsjahr fünf Jahre davor zu belegen schienen, änderte er alles noch einmal ab und behauptete, er wäre 1935 geboren worden.

Glaubwürdig ist für die meisten Experten aber jene Geburtsurkunde aus Hamburg, die das Jahr 1933 zeigt und auf der jemand aus dem letzen Drei handschriftlich eine Acht gemacht hat - vielleicht Lagerfeld selbst? Doch Vorsicht: man muss aufpassen, was man ihm unterstellt, er hat diesbezüglich schon Biografen verklagt.

Der Mann, der nicht feiert
Wahrscheinlich feiert Lagerfeld seinen Geburtstag so, wie er schon seinen 65sten oder 70sten gefeiert hat - nämlich gar nicht, zumindest nicht öffentlich. Er lässt Fragen zu seinem Alter gerne unkommentiert bzw. verweist darauf, dass er Wichtigeres zu tun habe als Jahre zu zählen oder Geburtstage zu feiern. Darauf ansprechen soll man ihn also besser nicht, wenngleich er sonst nicht abweisend oder menschenscheu ist.

Während der Fashion Week in Mailand oder Paris gibt‘s immer wieder Gelegenheiten, ihn zu treffen - nach den Modenschauen, an Partys oder anlässlich seiner vielen Termine, die er als Gastdesigner bei anderen Marken hat.

Karl Lagerfeld muss wirklich einer jener Menschen sein, für die Arbeit nicht ein Investment an Energie ist, sondern die aus ihrer Tätigkeit Kraft gewinnen. Anders ist sein enormes Pensum nicht zu schaffen. Lagerfeld arbeitetet ja nicht nur unter eigenem Namen. Seit dreissig Jahren ist er auch für Chanel tätig, seit vierzig Jahren für Fendi.

Der Workoholic
Er verantwortet also nicht nur jährlich vier Kollektionen für die eigene Linie, sondern mindestens sechs Kollektionen für Chanel, weitere vier für Fendi - und dazu kommen dann noch diverse Sonderaufgaben wie zuletzt mit H&M oder Hogan. Und dann ist er ja auch noch Verleger, Illustrator und Fotograf.

Wenn man den Beruf des Designers also am Erbringen von Leistung misst, ist Karl Lagerfeld der Grösste aller Zeiten. Wenn man einen Designer aber an seinem handwerklichen Talent, an seinem Gespür für Form und Proportion und seinen künstlerischen Beitrag zur Modegeschichte misst, dann ist Lagerfeld eher durchschnittlich.

Vieles landet im Eimer
Denn es ist längst nicht alles schön, was er in seinem gigantischen Schaffensdrang produziert. Doch das ist in seinem Universum nicht einmal von Bedeutung. "Ich liebe nur die Veränderung, der Papierkorb ist mir der wichtigste Einrichtungsgegenstand", sagte er einmal.

Als Selbstdarsteller ist Karl Lagerfeld aber unschlagbar. Sein ganz grosser Moment kam 2001, als er für eine Weile von der Bildfläche verschwand und von hundert auf sechzig Kilo abnahm. Er selber sagte, dass er 42 Kilo abgenommen hätte, weil er die schlank geschnittenen Anzüge von Hedi Slimane tragen wollte. Und natürlich erschien dann auch sogleich das Lagerfeld-Diätbuch.

Lagerfeld ist nach wie vorn eisern, auch wenn er vielleicht nicht mehr ganz so fit wie vor zehn Jahren ist und gelegentlich doch eine leichte Tendenz zum Bäuchlein zeigt. Vermutlich wiegt er etwa 65 oder knapp 70 Kilo. Er isst nur gedämpftes Gemüse, Früchte und Fisch, nichts anderes. Und er liebt es, wie er kürzlich sagte - es sei „göttlich, jenseits der Versuchung zu sein."

Was privat ist, ist privat
Über den Privatmann Karl Lagerfeld ist wenig bekannt. Es gibt kaum verlässliche Angaben über sein Privatleben - wenn er denn eines hat! - oder über Beziehungen. Aus früheren Jahren ist eine langjährige Liebesbeziehung zu Jacques de Bascher bekannt, der an Aids starb, aber das ist eine halbe Ewigkeit her. Seine neue grosse Liebe heisst derzeit Choupette.

Sie ist eine langhaarige weisse Katzendame vom Stamm der Siamkatzen, die er von seinem Weggefährten Baptiste Giabiconi bekam. Sie hat einen eigenen Twitter-Account.

Autor/in: Jeroen van Rooijen