MAD MEN - der Modestil der TV-Erfolgsserie

Seit einem knappen Monat läuft auch im Schweizer Fernsehen die Fernsehserie «Mad Men», die sich um einen Mann namens Don Draper und seine Werbeagentur Sterling Cooper an der New Yorker Madison Avenue dreht. Die Fernsehserie ist weltweit im Gespräch - gerade auch der Mode wegen.

Stilsicher: Die Schauspieler der US-Erfolgsserie Mad Man.
Bildlegende: Stilsicher: Die Schauspieler der US-Erfolgsserie Mad Man.

Es ist die Mode der späten fünfziger und frühen sechziger Jahre, einer Zeit, als es letztmals eine Art für breite Gesellschaftsschichten geltende, bürgerliche Kleiderordnung gab. Frauen trugen schwingende Tellerröcke oder schmal geschnittene Stiftröcke bis zur Wade, sowie natürlich Kleider, aber kaum je Hosen.

Das Knie blieb bedeckt, doch zeigte man gerne Bein, auch in sexy Schuhen mit spitzen Absätzen und Fersenriemchen, so genannten Sling-Pumps. Über dem Kleid trug man ein Strickjäckchen, zum Rock auch ein Twin-Set, also eine Kombination aus kleinem  Pullover und passendem Strickjäckchen.

Hochgesteckte Haare

Und wenn's kühl wurde, kamen ein kurzer Mantel mit hoher Taille sowie ein Seidenfoulard dazu. Die Haare waren meistens ordentlich hochgesteckt. Und last but not least: Die Unterwäsche war so geschaffen, dass die Brüste wie zwei Raketen zum Himmel zeigten.

Diese Mode fasziniert heute vor allem deshalb, weil Frauen noch wirklich Frauen waren, mit allen weiblichen Attributen und der Kleidung, welche diese hervorhebt. Und Männer waren Männer, natürlich im Anzug, der durchgehend aus einem Stoff gearbeitet war - Kombinationen aus andersfarbigen Jacketts und etwa hellen Baumwollhosen gab es damals erst in der Freizeitmode und waren fürs Geschäftsleben tabu.

Die Haare mit Pomade gekämmt

Die Schultern waren ausgeprägt, die Taille akzentuiert, die Hosen hatten eine Bundfalte. Man  trug Hemd und Krawatte - der Schlips war recht schmal, so wie man es heute wieder sieht. Dazu gehörten ordentliche Schuhe, die man schnürt. In die Brusttasche trug man ein helles, ordentlich gefaltetes Einstecktuch, auf die Nase eine gescheite Brille und ins Haar kam eine Handvoll Pomade, damit es schön glänzte und akkurat gescheitelt werden konnte.

Die Modewelt hat sich früh für das Thema begeistert, die ersten Kollektionen im Mad-Men-Stil sah man schon vor etwa zwei Jahren bei Prada, später auch bei Louis Vuitton, wo Marc Jacobs auf dasselbe züchtige, hochgeschlossene und dennoch sehr erotische Frauenbild setzte.

Eigene Mad-Man-Linie

Auch Michael Kors in New York hat früh reagiert, und sogar Dior in Paris zeigte Looks in dem Stil. Jetzt hat Prada nachgedoppelt und präsentiert abermals neue Kollektionen im Mad-Men-Style, und selbst die günstigeren Anbieter ziehen nach - Zara hat den Stil schon im Programm, und in den USA gibt es bei Banana Republic sogar eine eigens geschaffene, so betitelte Mad-Men-Linie.

Die Beispiele zeigen: Das klare Rollenbild der «Mad Men» ist gerade heute, wo die ganze Welt im permanenten Umbruch und oft nicht mehr klar ist, wer welches Geschlecht vertritt, wieder sehr anziehend. Und auch Menschen mit subversiver Ader kommen auf ihre Kosten, weil in der Fernsehserie dauernd und hemmungslos geraucht wird, was auch in scharfem Kontrast zu den heutigen Verhältnissen steht.

Die Zeit kommt kaum zurück

Wenn gleich die Mode der frühen sechziger Jahre sehr im Schwange ist - die Zeit der «Mad Men» kommt wohl nicht wieder zurück. Nach der Mad-Men-Zeit kamen die Achtundsechziger, und mit ihnen ging der ganze Kanon bürgerlicher Bekleidungskultur den Bach runter. Ausserdem ist diese Mode nach heutigen Vorstellungen von Komfort und Alltagstauglichkeit kaum mehr zu tragen: Diese Disziplin aufzubringen würden die meisten Frauen - und auch die Herren! - kaum noch schaffen.

Allerdings ist denkbar, dass die Fernsehserie bei einer neuen Klientel, die mit Jeans, T-Shirt und Kapuzenpullover aufgewachsen ist, die Lust auf eine andere Art der Mode wieder weckt und diese dann tatsächlich zu neuen Stilmitteln greifen. Es würde auch zu den gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit passen, in dem auch wieder gerne über Stil, Etikette und eine neue bürgerliche Renaissance gesprochen wird.

Autor/in: Jeroen van Roijen