Nein zu Kurzarmhemden!

DRS-3-Stilfachmann Jeroen van Rooijen kommt gerade aus Mailand. Nächste Station ist diese Woche Paris, wo die Modekollektionen für Frühling 2012 gezeigt werden. Dazwischen liegt ein Stopp auf dem Bundesplatz in Bern und ein ernstes Wort an die Adresse der Politkaste.

Nein zu Kurzarmhemden
Bildlegende: Nein zu Kurzarmhemden


Bern hat Klasse und Lebensqualität! Gegen die pittoreske Schönheit der Schweizer Hauptstadt ist Mailand ist eine einzige graue, schäbige Einöde und Paris ein Schmelztiegel, der dauernd überkocht.

Zwischen der Mode, die in Mailand und Paris das zentrale Thema ist und der Politik in Bundesbern gibt es aber durchaus Parallelen. Denn politische Parteien und ihre Exponenten sind ja auch Marken, oder «Brands». Es geht es darum, das herauszuschälen, was man besser als alle anderen beherrscht.

Parteien + Mode = ?

Abschottung und Separation sind in der Politik ein Programm, bei den Modedesignern hingegen ist derzeit das Gegenteil angesagt: munteres Multikulti. Die traditionsreiche Mailänder Marke Emilio Pucci setzte auf Zigeunerchic und Bottega Veneta liess fünfzehn schwarze Models über den Laufsteg laufen.

Die neokonservative Tendenz, die sich in der Politik gerade mit den progressiven Elementen die Waage hält, ist auch in der Mode ein wichtiges Thema. Da sind Marken wie Louis Vuitton oder Gucci, die stark ihre Tradition und Herkunft betonen, so wie das die SVP mit ihrem Wahlkampfinserat mit Personal in Schwingerhosen tut.

Schwingerhose: clever!

Dass die SVP-Werbung die Schwingerhose für sich entdeckt hat, ist ein cleverer Schachzug. Man würde sich wünschen, dass auch andere Parteien so kreativ wären. Die CVP könnte etwa die Schweizer Trachtenwelt zu Ihrem modischen Statement machen, die FDP die bessere Konfektion wie Strellson.


Die Grünen könnten engagiert mit dem Heimatwerk zusammenspannen, um endlich einmal lokal produzierte Schweizer Kleinlabels populär zu machen. Die SP schliesslich wäre dazu prädestiniert, Krusten aufzubrechen und neue Töne anzuschlagen, aber noch sind hier die ästhetikfeindlichen Fundamentalisten tonangebend, die sich dem ästhetischen Erbe der 68er verpflichtet fühlen.

Kurzarmhemden: verboten!

Dürfte der DRS-3-Stilfachmann ein modisches Phänomen in Bundesbern verbieten, dann wären es das mediokre Kurzarmhemd der Herren im Parlament. Ein Türsteher müsste alle Politiker heimschicken, die unter ihrem 08/15-Anzug ein kurzärmliges Büezerhemd tragen. Verboten wären auch die lausigen Schuhe mit dicken Gummisohlen, welche die meisten Politiker tragen.

Jeroen van Rooijen