Parfum – Düfte unter dem Weihnachtsbaum?

Jetzt rennen wieder Hunderttausende von Verzweifelten durch die Läden und suchen nach einem Geschenk. Dabei kommen sie - in den meisten Warenhäusern - erst einmal an den Parfum- und Kosmetikabteilungen vorbei und denken sich: Vielleicht eine gute Idee, wieder mal ein Parfum zu schenken?

Die menschliche Nase ist ein Sexualorgan, welches stimuliert werden will.
Bildlegende: Die menschliche Nase ist ein Sexualorgan, welches stimuliert werden will. colourbox

Die Frage, warum sich Menschen überhaupt parfümieren, rüttelt sehr tief an den Grundfesten unserer Kultur. Es muss wie alle Urmuster des Menschen mit Sex und Fortpflanzung zu tun haben. Schon die alten Ägypter benutzten Parfums, später die Hochkulturen des Orients - durch die Kreuzzüge kamen sie dann auch ins Abendland.

Man weiss auch, dass Parfüms dort sehr willkommen waren, denn die Leute konnten früher noch nicht so oft duschen und baden wie heute. Bekannt sind entsprechende Geschichten über ungepflegte und stinkende französische Könige, die sich praktisch immer nur parfümierten, statt sich zu waschen.

Spätestens seit Patrick Süsskinds «Das Parfum» aus dem Jahre 1985 wissen wir, dass Düfte mehr als nur andere Gerüche überdecken können, sondern sich eignen, bei anderen Menschen Begierde anzufachen. Doch erst der Eigengeruch eines Menschen, also sein ganz eigener Körperduft (der Grenouille ja fehlte), macht aus einem Parfum wirklich ein stimmiges Ganzes. Und es macht die Suche nach dem eigenen, richtigen Duft umso komplizierter.

Die Qual der Wahl
Jedes Jahr kommen Hunderte neuer Düfte auf den Markt. Das hat ökonomische Gründe: Parfums herzustellen ist vergleichsweise billig, man kann so eine Flasche Duftwasser für wenige Franken produzieren, sie aber, je nach Markenprestige, für über hundert Franken verkaufen.

Das sind traumhafte Margen. Allerdings ist es in dem unübersichtlichen Überangebot von Düften zunehmend schwierig geworden, auch wirklich einen Hit zu landen, der ein paar Jahre durchhält. Vieles kommt und verschwindet in den ersten zwei Jahren wieder.

Guter Rat ist teuer
Um selber einen passenden Duft zu finden ist der wichtigste Rat dieser: Man muss zu einem guten, fachkundigen Parfumeur gehen, der sich auch mit Dingen auskennt, die nicht in jedem Duty-Free-Regal stehen. Es ist Gold wert, wenn man jemanden findet, der auch besondere Dinge kennt und nicht einfach nur an seinen Umsatz denkt.

In der Schweiz gibt es nur noch etwa eine Handvoll Parfümerien, welche diese Art von Beratungskompetenz hoch halten. Es gibt auch einige gute Websites für Düfte, etwa Fragrantica oder Basenotes, die helfen einem immerhin dabei, die Perlen aus dem Riesenangebot zu fischen.

Hat man seinen Duft einmal gefunden, gilt es, ihn mit Stil zutragen. Düfte sollten auf gut durchbluteten Stellen aufgesprüht werden, wie an den Handgelenken, an der Schlagader am Hals und hinter den Ohren. Coco Chanel sagte auch einmal, dass man sich dort parfümieren sollte, wo man geküsst werden möchte. Es kann aber auch rasch zu viel sein. Wenn man eine Fahne hinter sich herzieht, die auf dem Bahngleis noch ein Erkälteter riechen kann, hat man es übertrieben.

Leider sind viele der heute üblichen synthetischen Duftstoffe auch aussergewöhnlich heftig und stabil, sodass man noch Stunden lang gegen den Wind duftet. Penetrant ist es auch, wenn man sich parfümiert, bevor man ins Restaurant geht eine Beleidigung für alle anderen Gäste.

Tipp: Nischenprodukte oder Klassiker
Parfums zu schenken ist kritisch. Man sorgt öfter für Enttäuschungen als Glücksmomente. Doch es gibt Ausnahmen. Meistens liegt man mit kleinen, exotischen Nischenmarken besser als mit grossen Namen.

Ausserdem gibt es natürlich ein paar grossartige Düfte, die man vor zwanzig Jahren genauso getragen hat wie heute: Für Frauen ist dies «Chanel N° 5», «L‘Air du Temps» von Nina Ricci, «Miss Dior» von Christian Dior, «Youth Dew» von Estée Lauder oder «Shalimar» von Guerlain. Für Männer sind es «Eau Sauvage» von Dior, «Vetiver» von Guerlain, «Aramis» von Aramis, «Colonia» von Acqua di Parma oder «Millesime» von Creed.

Autor/in: Jeroen van Rooijen