Prominente als Modemacher

Applaus für Kanye West nach seiner Show in Paris.
Bildlegende: Applaus für Kanye West nach seiner Show in Paris. key

In New York, London, Mailand und Paris wurde während der letzten Wochen die neue Frühlingsmode 2012 gezeigt. Nicht nur Couturiers, sondern auch Prominente aus Pop- und Filmbusiness haben dort ihre eigenen Kollektionen präsentiert - in Paris etwa der US-Rapper Kanye West.

Die Kritiken zur ersten Kanye-West-Kollektion waren, wenn man optimistisch sein will, freundlich reserviert bis sarkastisch. Zwar anerkennen alle Beobachter, dass dieser Mann das wohl grösste lebende männliche Fashion Victim ist und einen unbedingten Willen hat, sich auch als Designer Respekt zu verschaffen.

Doch auch wenn eine ganze Horde von Top-Prominenten in der ersten Reihe sass, hat Kanye West mit seinem Debüt keinen leichten Stand gehabt.

Der Kollektion fehlt ein Konzept oder eine gewisse Notwendigkeit im Markt. Zwar hat Kanye West ein Atelier in London, das seine Entwürfe exklusiv für ihn umsetzt, aber es fehlt der Kollektion der rote Faden.

Lachnummer der Saison?

Gewiss sind die 500‘000 Franken, welche eine grosse Modenschau auf dem Pariser Kalender ungefähr kostet, für einen Hiphop-Multimillionär ein Taschengeld. Was ihn, der wirklich die Anerkennung der Modewelt sucht, mehr gekümmert haben wird, ist die Frage, ob er mit seiner Kollektion denn ernst genommen wird oder als Lachnummer der Saison in die Geschichte eingehen wird. 

Den bisher grössten Flop landete allerdings Schauspielerin Lindsay Lohan, die vor gut einem Jahr meinte, reif genug dafür zu sein, die kreative Leitung des Couturehauses Emanuel Ungaro in Paris zu übernehmen. Die Kollektion, welche Lohan damals zeigte, war in ihrer plumpen Unbedarftheit um ein Vielfaches ärmer als das Debüt von Kanye West.

Modisches Fussnoten

Auch mag die Kollektion «Sweetface» von Jennifer Lopez bei ihren Fans im lateinamerikanischen Raum einen gewissen Stand haben, auf internationalem Parkett blieb dieser Ausflug der singenden Latina eine Fussnote.

Und Gwen Stefani von No Doubt hat mit mit L.A.M.B. zwar einen festen Platz während der New York Fashion Week, über ein paar Freak-Boutiquen in Miami oder L.A. ist die Blondine damit aber noch nicht hinausgekommen. Da geht‘s auch Avril Lavigne mit Abbey West nicht viel besser. Gespannt sein darf man demnächst auch auf Herrn David Beckham, von dem man weiss, dass er bald Unterwäsche für H&M entwerfen wird.

Victoria - die grosse Aufnahme 

Allerdings ist Beckhams Gattin, das Ex-Spice-Girl Victoria, die grosse Ausnahme im Promi-Fashion-Sumpf: Sie hat sich mit ihrer Kollektion einen gewissen Respekt verschafft. Ihre Ideen sind wiedererkennbar, was zumindest dafür spricht, dass sie ein intelligentes Designteam zusammengetrommelt hat.

Ein positives Beispiel ist auch die sympathische Strick- und Loungewearkollektion von Claudia Schiffer, die von Iris von Arnim in Norddeutschland für das Ex-Model entwickelt wird und durchaus Hand und Fuss hat. (jvr.)