Regenschutz mit Stil

Es regnet wieder mal. Das tut's in der Deutschschweiz etwa an jedem dritten Tag, meistens am Wochenende. Aber man kann dem Regen auch gute Seiten abgewinnen. Die Pflanzen müssen nicht getränkt werden und man kann sich richtig anziehen. So, dass man auch vor Regen gut geschützt ist.

Regenschirm
Bildlegende: Ein richtiger Schirm hilft mehr als ein wackeliger Knirps. Colourbox

Leider haben die meisten Menschen keine Ahnung mehr davon, was gute Regenkleidung ist. Sie kleiden sich normalerweise in eine Art kleiner Individual-Zelte aus dünnem Nylon, die sie aussehen lassen, als hätte man einen Zwergen-Camping zum Laufen gebracht. Kann ja sein, dass diese bunten Kunststoffe auf Wandertouren ein gutes Packgewicht haben und durchaus auch eindrückliche Wassersäulen aushalten aber haben Sie auch Stil? Und da wären wir beim zentralen Thema.

«Ein guter Regentag braucht gute, schöne Regenkleidung, und schon scheint die Sonne im Herzen», sagt SRF-3-Stilsheriff Jeroen van Rooijen. Gute Regenkleidung hält nicht nur trocken, sondern bewahrt, anders als die vielen Hunderttausend formloser Sportjacken, auch die Haltung seines Trägers. Man geht aufrechten Hauptes durch das perlende Nass, statt wie ein gejagter Hund den Fassadenrändern nachzuhetzen.

Ein paar guter Dinge, die wir leider ein wenig vergessen oder vernachlässigt haben, aber einen Regentag entscheidend erträglicher machen:

TRENCHCOAT
Der gegürtete Mantel, der einst Soldaten in den Schützengräben des ersten Weltkriegs vor Wetter-Unbill schützte und deshalb den offiziellen Segen der britischen Armee bekam, ist auch heute noch bestens dazu geeignet, einen kommunen mitteleuropäischen Tagesregen zu bewältigen. Das dicht gewobene Twill-Gewebe ist zwar nicht stundenlang wasserdicht, aber lässt das meiste doch souverän abperlen. Sieht an Männern wie Frauen toll aus, zu Jeans wie zum Anzug.

MACKINTOSH
Der zweite grosse Regenmantel aus England und die wissen dort bekanntlich, wie man mit Schlechtwetter fertig wird. Der gummierte Mackintosh ist etwas schwerer und weniger flamboyant als der Trench, dafür härter im Nehmen. Die Nähte dieses Mantels sind komplett verschweisst und lassen auch nach Stunden keinen Tropfen durch. Nachteil: Der schwere Stoff lässt auch kaum Körperwärme entweichen und kann darum zur mobilen Sauna werden. Ein Mensch mit Stil trägt dieses Opfer aber ohne zu jammern.

CAPE
An Regenkleidung sind immer die Nähte die Schwachstellen. Das Cape - auch Poncho genannt - minimiert das potenzielle Problem, weil es auf Ärmel und Schnickschnack verzichtet und problemlos über jede Art von Kleidung geworfen werden kann. Man ist geschützt, geborgen und kann sogar seine Tasche drunter packen.

FRIESENNERZ
Die Leute an der Nordsee wissen auch, womit man einer fetten Regenböe stilvoll begegnen kann: Der gute alte, gummierte Friesennerz, am besten in leuchtendem Gelb, hält die Nässe zuverlässig draussen und bringt mit seiner Farbe etwas positiven Pepp in den grauen Tag. Soeben entdecken junge Marken wie Stutterheim aus Stockholm, Norwegian Rain aus Bergen, Ilse Jacobsen aus Hornbaek in Dänemark oder Derbe aus Hamburg den «Schietwetterregenmantel» neu.

GALOSCHEN
Gummistiefel in Ehren, aber: Damit will man ja kaum den ganzen Tag herumlaufen. Wer also nur durch den Regen huschen und danach den Rest des Tages im Trockenen verbringt, tut sich mit einem Paar Galoschen den grösseren Gefallen. Die praktischen Überzieher werden einfach über die guten Lederschuhe gezogen und schützen diese bestens, bis man sie im Büro auszieht und diskret versorgt. Swims aus Skandinavien macht die besten.

SÜDWESTER
Von wo kommt das Mistwetter meistens? Richtig: Aus Südwesten. Das wissen die Menschen im Norden und nennen darum den besten Regenhut so. Der Südwester mit seiner hinten im Nacken verlängerten Krempe leitet das Wasser elegant über den Rücken statt in den Kragen des Mantels. Okay, er sieht ein bisschen strub aus, aber: Er tut zuverlässig seinen Dienst!

SCHIRM
Die fummeligen kleinen Knirpse aus den leichten Stöffchen in Ehren, aber wer es mit dem Regenschutz Ernst meint, kauft sich einen robusten Schirm, der diesen Namen auch verdient. Einen schönen, recht grossen Stockschirm, der so teuer sein sollte, dass es sehr weh tut, wenn man ihn irgendwo liegen lassen sollte. Das minimiert das Verlustrisiko nämlich erheblich. Gut sind auch die sturmfesten neuen Schirme von Senz aus Holland, für die es auch eine sichere Velohalterung gibt.

Wer weiter an seinem Repertoire feilen will: Es gäbe auch noch Pelerinen, Regenschutzhüllen für Taschen und Velosättel oder die bereits erwähnten Gummistiefel...

Autor/in: Jeroen van Rooijen, Redaktion: Jeroen van Rooijen