Smartphone-Sleeves: Heiterer Modegag oder totaler Unsinn?

Wer man ist oder sein will! , zeigt man heute nicht nur über Kleidung und Frisur, sondern auch mit seinen digitalen Accessoires an. Dazu gehören auch Smartphone-Covers sprechen, also die Hüllen, die das Mobiltelefon bekleiden. Der SRF 3 Stilsheriff ist allerdings skeptisch.

Hübsch, nicht wahr?
Bildlegende: Hübsch, nicht wahr? PD

Rund um das „Bekleiden von Mobilgeräten ist in den letzten Jahren ist ein grosses Geschäft entstanden eines, das es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab, oder nur ansatzweise.

Früher waren Hüllen oder Etuis für die Geräte ein Zusatzgeschäft, das die Hersteller der Geräte meistens selber oder in Lizenz abdeckten, doch heute gibt es an bester Lage Boutiquen, die sich nur mit Skins und Sleeves beschäftigen, also der systematischen Individualisierung des Telefons.

Sicherheitsaspekte
Gerne würde man glauben, dass die sicher gut bezahlten Designer in Cupertino oder Seoul ihre Entwürfe abschliessend durchdacht habe und nicht nur an Ergonomie und Eleganz, sondern auch an Sicherheit gedacht haben?

Doch scheinbar ist eben das letztere nicht unbedingt Pflicht, sondern eher Kür, und so ist das Nebengewerbe der Smarthpone-Hüllen entstanden. Weil die Geräte nicht zu Ende gedacht sind - vielleicht ja auch absichtlich. Denn für die Hersteller ist es sicher gut, wenn immer wieder mal eines zu Bruch geht.

Es scheint auch so, dass mit Zubehör und Sleeves viel Geld zu verdienen ist. Zwar riskieren die Anbieter, dass die Hersteller ihre Geräte ändern, doch lässt sich der Materialeinsatz für eine Plastikhülle zu einem Smartphone vermutlich recht risikolos kalkulieren.

Warenwert unter Null
Es dürften nur wenige Rappen sein, die so ein Ding materiell kostet, doch über den Ladentisch gehen aber auch einfachste Handyhüllen ab etwa 8 bis 10 Franken. Die besonderen Modelle kosten ansehnlich mehr.

Tattoos boomen, weil alle die gleichen Klamotten tragen. Und Handyhüllen boomen, weil alle Telefone gleich aussehen. Die Sleeves sind eine Gegenbewegung zur formalen Gleichschaltung durch die Elektronikkonzerne.

Deren Mobilgeräte sehen ja heute, mit kleinen Abweichungen, mehr oder minder standardisiert aus: Schwarzes Gehäuse, grosser Bildschirm, ein zentraler Knopf unabhängig davon, von welchem Hersteller es ist. Dass diese sozialistische Einheitsversorgung mit Konsumprodukten nicht funktioniert, hat die Weltgeschichte ja bewiesen.

Jedem sein Stil
Die Leute wollen nicht gleichgeschaltet werden, sondern ihre Individualität ausdrücken. Sie wollen auch mit dieser heute so wichtigen Schnittstelle zwischen digitaler und realer Welt ein Statement zu ihrem Lifestyle machen.

Am schönsten wäre es also, ganz auf Hüllen zu verzichten. Aber damit ist man heute fast Aussenseiter. Und, so der SRF-3-Stilfachmann: „Man gewöhnt sich an das Grässliche, besser noch: Ich finde es heute eigentlich noch ganz lustig, zu beobachten, was Leute so alles mit sich tragen. Es ist ja immer auch ein Stil-Statement.

Man kann also, wenn man etwas verspielt ist, gerne eine Hülle haben, die ein bisschen schräg ist, etwa in Form eines alten Fotoapparats oder eine Audiokassette. Auch die eher funktionalen Hüllen eines Schweizer Labels, das altes Plastik recycelt, sind laut Jeroen van Rooijen ganz cool.

Bitte zurückhaltend!
Etwas weniger sexy sind Business-Sleeves aus falschem Leder, die scheinbar unauffällig sein wollen, aber so grässlich wie Aktentaschen aus Kunstleder sind. „So einem Parvenu würde ich meine Vermögensberatung nicht anvertrauen, sagt der Stilfachmann. Schlimm seien auch zu offensiv zur Schau getragene Markenbekenntnisse, etwa zu einer bestimmten Automarke, oder Imitationen eines bestimmten Luxuslabels.

Hasenohren?!
Und den Vogel schiessen all jene Chicks ab, denen ein bisschen Glitzersteinchen noch nicht genug sind und deren Smartphone-Hülle dann auch noch Hasenohren haben muss. Oder Hüllen mit Füsschen und einem Schwänzchen aus echtem Pelz.

Wo verläuft die Grenze zwischen cool und albern? „Bis zum Alter von 18 Jahren, also bis zum Ende des Jugendlichen-Daseins, soll man mit dem Zeug experimentieren, was der Markt hergibt, gibt sich der SRF 3 Stilsheriff versöhnlich, „Es kann auch mal Trash dabei sein.

Danach solle man sich langsam entscheiden. Vielleicht für etwas, was ein Weilchen hält. So sei es auch mit der Mode: Irgendwann hat man genug konsumiert und weggeworfen und wird es Zeit, sich etwas zu leisten, das einen eine gewisse Zeit begleitet. Zumindest so lange, bis die Technik einen Update auf ein neues Modell erzwingt.