Was ist über-über-über-morgen Mode?

«Was anziehen?» Wenn wir uns diese Frage frühmorgens bartstoppelkratzend vor dem Kleiderkasten stellen, meinen wir das hier und jetzt. Modemacher denken bei der Frage «Was anziehen?» an den Sommer 2013. Warum eigentlich?

Die heurige Mode gefällt ihm nicht. Der Mann wartet auf die Sommer-Mode 2013.
Bildlegende: Die heurige Mode gefällt ihm nicht. Der Mann wartet auf die Sommer-Mode 2013.

Bei uns hat erst gerade der Sommer 2012 seinen Lauf genommen, da kommt der DRS-3-Stilfachmann Jeroen van Rooijen noch ganz frisch nach Pizza, Prosecco und Prosciutto riechend aus Mailand zurück und berichtet über den nächsten Sommer, den des Jahres 2013.

Es sieht auf dem Papier immer etwas eigenartig aus: sich jetzt schon mit einem Thema zu beschäftigen, das erst in einem Jahr aktuell wird. Dies hat aber im Falle der Modewelt keineswegs mit Weltentrücktheit sondern vielmehr mit umsichtiger Planung zu tun.

Bis die Nähmaschinen rattern...

Denn in der Zeit bis zum Modesommer 2013 will genutzt werden. Damit die Mode den Weg vom Laufsteg in die Läden findet. Ganz konkret: bis Mitte Juli werden Bestellungen aufgenommen - letzte Woche in Florenz und Mailand, nächste Woche in Paris, dann in Berlin, schließlich Mitte Juli in Düsseldorf.

Bis die Nähmaschinen rattern, nehmen die Hersteller oft noch einige Änderungen an ihren Kollektionen vor. Die Nähmaschinen-Arbeit, die meiste davon in Südostasisen, ist auch heute noch Handarbeit, und kostet - wenn schon kein Geld - dann doch Zeit.

...braucht es Vorlaufzeit

Mit Fug machen wir also an jeder Modeschau eine Zeitreise in die Zukunft. Nicht nur bei der Sommer-Mode, sondern auch bei der Vorfrühlings-, Frühlings-, Pre-Fall-, Herbst und Winter-Kollektion.

Bleibt noch nachzutragen, was denn nun die Zukunft konkret für den Modesommer 2013 mit sich bringt. Die Modeschauen in Florenz und Mailand lassen folgenden Schluss zu: Es wird tendenziell wieder etwas gepflegter und eleganter, aber nicht steif.

Kurze Hose - zu allem

Die Sachen müssen leicht zu tragen sein. Das Shirt Jacket, also ein Veston ohne Futter und Einlagen, ist jetzt auch für die Klassik der neue Standard. Das neue Lieblingsmaterial heißt Seersucker - eine feine Baumwolle mit gekräuselter Oberfläche.

Wildleder war auch viel zu sehen, etwa als Lumber - diese Form kommt wieder. Und dann überall kurze Hosen - sogar zum Zweireiher, Hemd und Krawatte. Außerdem werden die Schnitte etwas weiter, und das ergibt, wenn man steifere Stoffe verwendet, fast kastige Formen.

Männer mögen Bewährtes

Es gibt viel Blau, aber auch eine Palette von schönen Brauntönen, Caramel, Kaffee und Schokolade. Dann war viel Weinrot zu sehen, und Senfgelb. Doch keine extremen Primärfarben mehr, das hat sich für Männer nicht bewährt.

Fazit: Das Modebild bleibt seit einigen Jahren recht stabil zwischen Casualwear und klassischer Eleganz positioniert. Die Männermode mag noch immer keine grossen modischen Launen. Die meisten Männer auch nicht.

Autor/in: Jeroen van Rooijen/ ra