Weisse Pracht in Wimbledon

In Wimbledon wird Tennis gespielt - und das interessiert nicht nur die Sportsfreunde, sondern auch den DRS 3-Stilfachmann. Denn Wimbledon ist ein besonderes Turnier. Weil es der letzte Ort auf Erden ist, an dem - scheinbar! - noch modische Ordnung herrscht und der Tradition Respekt gezollt wird. 

Auf dem heiligen Rasen von Wimbledon darf man zwar in der Hitze des Gefechts Grimassen machen, aber in Sachen Dresscode gilt unerbittlich: weiss, weiss, weiss....
Bildlegende: Auf dem heiligen Rasen von Wimbledon darf man zwar in der Hitze des Gefechts Grimassen machen, aber in Sachen Dresscode gilt unerbittlich: weiss, weiss, weiss....

Der All England Lawn Tennis Club, der das Turnier von Wimbledon veranstaltet, verlangt von allen Spielern ein strikt weisses Dress und das Einhalten einer «konservativen» Kleiderordnung. Farbe ist höchstens als Verzierung oder Dekorstreifen akzeptiert.

Bis 2006 waren alle Balljungen, Schieds- und Linienrichter grün gekleidet, seither tragen sie blau. Ausserdem macht der smarteste Modemacher der USA, Ralph Lauren, jedes Jahr speziell für Wimbledon eine kleine Kollektion, die immer schnell ausverkauft ist und unter Kennern Kultstatus hat.

Spieler testen die Toleranz des Clubs

Die Spieler und Ausrüster versuchen zwar immer wieder, die Toleranz des All England Club mit kleinen Experimenten zu testen, aber es ist heute eine weitherum akzeptierte Sache, dass man gewisse Regeln beachtet und die gestrengen Herren nicht unnötig provoziert.

Ausserdem wird jedes neue Dress vor dem Match von der Turnierleitung abgenommen. Der strikte Dress Code macht heute auch den Unterschied zu vielen anderen Turnieren: So sucht man in Wimbledon auch fast vergeblich nach Werbung und Sponsoren. So kann man sich dann besser aufs Tennis konzentrieren.

Stil-Highlights der Tennisgeschichte der letzten 100 Jahre: 

Am schönsten war Wimbledon 1936, mit Fred Perry in langen Bundfaltenhosen und einem gut sitzenden Kurzarm-T-Shirt. Und: Der Seitenscheitel sass auch im dritten Satz perfekt.

Björn Borg hat ab Mitte der siebziger Jahre den Stil von Wimbledon mit Modemut und Sexappeal erneuert - unvergessen das weisse Poloshirt mit pinkfarbenem Kragen und Ärmelabschlüssen.

Aufregung gabs Mitte der achtziger Jahre um Anne White, die den Aufwärm-Match in einem weissen Stretch-Ganzkörperanzug bestritt, der dann aber noch vor dem wirklichen Match gegen Pam Shriver vom All England Club verboten wurde.

2008 war ein interessanter Jahrgang, als Roger Federer im neokonservativen Preppy Style mit Blazer und Polo-Shirt gegen den «Piraten» Rafael Nadal antrat, der damals mit ärmellosen Shirts, wildem Blick und einem Tuch um den Kopf den bösen Buben markierte. Nadal war es auch, der bei der Wimbledon-Jury Dreiviertelhosen und ärmellose Shirts durchsetzte.

Seither schaut alle Welt auf Maria Sharapova, das russische Supermädchen, das in Wimbledon auch schon mal eine Art Smoking-Top zu kurzen Hosen trug.

Und so beurteilt DRS 3-Stilfachmann Jeroen van Rooijen die Spieler und Spielerinnen des 125. Rasentennisturniers in Wimbledon:

Männer

  • Roger Federer (ATP Nr. 3) - der Schweizer ist ein Mann mit Manieren, Stil, Charme und Grösse. Er gewinnt elegant und verliert respektvoll, und das macht ihn klar auch punkto Stil zur Nummer 1! Möge er Wimbledon souverän gewinnen!
  • Andy Murray (ATP Nr. 4) - der Brite ist irgendwie ein cooler, zeitgenössischer Typ, der die zeitgeistige Mischung aus Softie und Ur-Mann ganz gut hinbekommt. Er bleibt spannend und undurchschaubar, und Geheimnisse sind wichtig für Stilikonen.
  • Rafael Nadal (ATP Nr. 1) - Der Spanier ist stilistisch erwachsener geworden, sieht auch zivilisierter aus, bleibt aber so ein wenig der Rambo auf dem Rasen, und das ist für einen feinen Ort wie Wimbledon nicht das richtige Statement.
  • Novak Djokovic (ATP Nr. 2) - der Serbe sieht immer ein wenig brav und musterschülermässig aus - vermutlich ein Superschwiegersohn. Aber kein Stilheld, dazu ist er zu unverbindlich.
  • Robin Söderling (ATP Nr. 5) - der Schwede ist ein bisschen ein Bad Boy und sieht immer ein bisschen hinterhältig aus. Er bekäme bei James Bond sicher eine Rolle, die zwar fies ist, die aber vor Filmende ausscheidet.

Frauen

  • Maria Sharapova (WTA Nr. 6) - die blonde russische Supermaus ist auf dem Tennisplatz genauso souverän unterwegs wie in High Heels. Zu recht eine moderne Stilikone und deshalb hier und heute die Favoritin.
  • Na Li (WTA Nr. 4) - die zierliche Chinesin ist eine Überraschung, sie hat Grazie und spielt trotzdem ganz vorne mit, macht Kraft durch Eleganz wett, und hat einen sehr nettes Smile.
  • Caroline Wozniacki (WTA Nr. 1) - die Dänin spielt den sexy nordischen Superhasen in blond überzeugend und sieht so ein bisschen rustikal, aber ganz sympathisch aus.
  • Vera Zvonareva (WTA Nr. 3) - viel Stil hat die Russin nicht, eher so währschaft wie ein Teller Bohnensuppe mit Speck. Aber dafür wirkt sie verlässlich.
  • Victoria Azarenka (WTA Nr. 5) - die Weissrussin mit dem langen Gesicht hat etwas streberhaftes, ihr Stil ist ein bisschen zu sehr im Schulmädchenalter stehen geblieben.

Autor/in: Jeroen van Rooijen