Welcher Glacé-Typ bist du?

Der Sommer 2011 hat sich - mit einiger Verspätung und vielleicht fast schon zur Unzeit - doch noch zum Dienst gemeldet, mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen um 30 Grad. Höchste Zeit also für eine Glacé!

Eis schmeckt das ganze Jahr über, aber trotzdem am besten an heissen Sommertagen.
Bildlegende: Eis schmeckt das ganze Jahr über, aber trotzdem am besten an heissen Sommertagen.

Aber vorher schnell checken, ob das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist - und dann: schlemmen! Welche Glacé steht für welchen Lifestyle?

Unser Stilsheriff Jeroen van Rooijen hat die Top 5 der Schweizer Wasser- und Rahmglacés angeschaut und verteilt Stilpunkte. Es sind allesamt Kiosk- oder Supermarkt-Glacés, also kein Exklusiveis von Mövenpick, Häagen-Dasz oder Ben & Jerry.

Top 5 der Wasserglacés

5. Calippo (von Langnese)
Der Look: Stark gesüsstes, grünes oder rotes Wassereis aus der Kartontube zum Herausdrücken. Ästhetische Sparlösung, die auch zur schlimmen Sauerei neigt.

Wofür sie steht: Zu ihrer Lancierung 1984 war sie eine Sensation, weil in der Anwendung ganz neu. Sie ist aber auch ein bisschen flutschig obszön, deswegen würde ich sagen: Bösebuben-Glacé, die auch Männer mögen, die ewig pubertär geblieben sind, billige Eurodance-Musik hören und gerne Red Bull-Dosen aus dem Fenster des Autos werfen.

4. Solero Exotic (von Langnese, bzw. Lusso)
Der Look: Seltsamer Hybrid aus Rahm- und Fruchteis, luftig und etwas unförmig, ummantelt mit einer speckig glänzenden Schicht eingedicktem gelbem Fruchtsirup.

Wofür sie steht: Die nach einer winzigen Gemeinde im Piemont benannte Glacé ist ein dicker Brocken für Kalorienbewusste. Sie schreit laut Lifestyle und Stilbewusstsein, und ist darum ein Fall für Prosecco-Tussies und Fashion Victims, die Dolce & Gabbana tragen und abends in der Bar Aperol Sprizz trinken.

3. Twister (von Langnese)
Der Look: In sich verdrehter Turm von Schleifen aus Erdbeer-, Orangen- und Zitronen-Wasserglace, relativ poppig und kiddy im Design, eine Art gefrorene Zuckerstange.

Wofür sie steht: Eindeutig eine Kinderglacé - kein Erwachsener sollte je mit diesem lustigen Wirbelwind aus Wasser und Zucker erwischt werden. Sie macht garantiert eine Sauerei und kann deshalb nur im Sandkasten verzehrt werden.

2. Rakete (von Frisco)
Der Look: Relativ kleine, leichte und trotzdem etwas scharf auf der Zunge brennende Wasserglacé mit Ananas- und Orangengeschmack. Die Spitze hat einen Schokomantel.

Wofür sie steht: Die Budget-Glacé schlechthin, eine Ikone für Traditionalisten und Preisbewusste. Die Rakete kauft man, bevor man im japanischen Kleinauto über die deutsche Grenze nach Waldshut zum Schnäppchenshopping fährt. Allerdings hat die Rakete auch etwas subversiv-klassenloses, sie wird also auch von Anarchisten verehrt.

1. Winnetou - (von Frisco)
Der Look: Der zeitlose Klassiker, seit Generationen geschätzt und fadengrad im Design, in den Fruchtsaftgeschmackfarben Ananas, Himbeer und Aprikose, mit Schoggi-Topping!

Wofür sie steht: Ein Glacé wie aus einem Traum, sie passt dank ihrer klaren Ästhetik und klassischen Farben zu Damen und Herren, ist ideal proportioniert und damit das beste Stil-Statement dieses Sommers. Man kann sie sogar im Businessanzug essen.

Top 5 der Rahmglacés

5. Magnum (von Langnese bzw. Lusso)
Der Look: Unförmiger, von dicker Schokolade-Kruste überzogener Monsterbrocken von mastiger Doppelrahmglacé am Stiel. Danach muss man 14 Tage nichts mehr essen.

Wofür sie steht: Die Frustglacé schlechthin, viel zu gross und unverschämt, es fehlt ihr die soziale Kompetenz, denn sie wird meistens alleine zuhause vor dem Fernseher verdrückt. Eindeutig nur etwas für prämenstruelle Ladies, Männer sollten Magnum meiden.

4. Pralinato (von Frisco)
Der Look: Schönes, zylinderförmiges Rahmglace-Eis am Stiel mit krokanter Ummantelung. Der Kern ist ein massives Schoggistengeli, das man ganz bis zum Schluss aufbewahrt.

Wofür sie steht: Eine Glacé für Menschen, die einen gewissen Hang zum Konservativen haben und Sicherheit schätzen. Denn diese Glacé bricht fast nie aus Versehen entzwei. Es ist die Vollkasko-Glacé, und auch ein bisschen eine für Lifestyle-Opportunisten, weil sie ja gleichzeitig Eis und auch Schoggistengeli ist.

3. Cornetto (von Langnese)
Der Look: Klassische Tütenform in einem Kartonbiskuitmantel, etwas vertüdelte Krone mit Güpfli und etwas Schoggi-Dekoration. Boden der Tüte mit Schokolade abgedichtet.

Wofür sie steht: Grundsolides Bünzlieis für Erwachsene, Kindern ist die Waffel meist etwas zu umständlich und ordentlich. Ein Cornet ist ungefähr so gewagt und originell wie Schuhe von Navyboot oder eine Lederjacke von Vögele - nicht falsch, aber auch nicht besonders gewagt.

2. Chübeli - Café Glace (von Frisco)
Der Look: Relativ hartes, hellblaues Becherchen von recht harter Konsistenz, in dem ein Kaffee-Speiseeis eingelassen ist, das sich erst einmal wie Beton gegen den Löffel wehrt.

Wofür sie steht: Dies ist die allerordentlichste Glacé, eindeutig nur für Erwachsene, und weil sie eine solch starke Espressonote hat, wird sie auch von Männern geschätzt - wahrscheinlich von Männern, die am Freitagabend oder Samstagmorgen in Dreiviertelhosen und Sandalen mit Socken den Rasen mähen.

1. Der Vanille-Seehund (von der Migros)
Der Look: Seit Jahrzehnten unveränderter - und unübertroffener Vanille-Klassiker, mit leichtem Schokomantel, von einfacher Schönheit und köstlicher Cremigkeit.

Wofür sie steht: Die demokratischste, günstigste und am besten proportionierte Glacé überhaupt. Sie passt perfekt zum heutigen Lifestyle, in dem es wieder um Tradition, echte Werte und Langlebigkeit geht. Am besten isst man diese Glacé auf der Rückbank eines leicht vergammelten 70‘s-Sportwagens, während man Duffy oder Aretha Franklin hört.

Autor/in: Jeroen van Roojen