Zeit für Handschuhe

Es ist kalt, der Hochnebel kriecht nachts in alle Ritzen, und die dauernde, trockene Kälte der Bise tut das ihre dazu. Es ist schon Winter, auch wenn der Schnee noch fehlt und es noch nicht ganz so aussieht, ist es schon Zeit für Handschuhe.

Lederluxus. Kann sein, muss aber nicht. Es gibt jede Menge stilvolle Alternativen.
Bildlegende: Lederluxus. Kann sein, muss aber nicht. Es gibt jede Menge stilvolle Alternativen. Keystone.

Allerdings sieht man sie auf der Strasse derzeit noch kaum. Die Menschen scheinen sich noch dagegen wehren zu wollen. Der Schweizer scheint den Sommer im Herzen zu tragen und ihn noch tief bis Ende November mitzunehmen.

Man sieht zwar viele Leute mit hochgeklapptem Revers, hochgezogenen Schultern und grimmig in Falten gelegter Stirn, aber kaum jemanden mit Schal oder gar Handschuhen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass gute Handschuhe ein bisschen etwas kosten und darum geschont werden müssen?

Was denken wir über Handschuhträger?

Vielleicht ist es aber auch so, dass viele Leute ihre Handschuhe irgendwo liegen lassen, und um diesem Malheur vorzubeugen, packen sie diese am Morgen gar nicht ein? Vielleicht ist es aber auch eine tief in der Volksseele des Helvetiers verwurzelte Vermutung, Handschuhe könnten für „Gfrörligkeit" und damit für Schwäche stehen?

Handschuhe warenwährend Jahrhunderten ein Kennzeichen der oberen gesellschaftlichen Klassen, und noch im 19. Jahrhundert war es unter echten Gentlemen Sitte, sechsmal am Tag die Handschuhe zu wechseln.

Drei Handschuhe für alle Fälle

Heute braucht man drei Paar Handschuhe: 1. Ein Arbeitshandschuh für grobe Dinge, die man zu Hause tut, etwa Bäume entästen, Laub rechen oder Brennholz stapeln. 2. Ein Sporthandschuh aus wasserabweisenden Kunstfasern mit Thermofutter, für die Winterwanderung, den Schlittelnachmittag oder die Schneeballschlacht, und 3. den feinen, mit Cashmere-Feinstrick gefütterten Echtleder-Handschuh fürs Weihnachts-Shopping unter dem Lichterbaldachin der Stadt.

Oft haben teure, exotische Lederarten keinen funktionalen Vorteil gegenüber weichem Hirsch-, Rinds- oder Lammleder, im Gegenteil: Sie sind härter, brüchiger und sperriger. Im Zweifelsfalle ist also eher zum Schlangenprint als zur echten Python zu greifen.

Handschuhe für Handynutzer

Hoch im Kurs sind Modelle aus Kombinationen von Strick und Leder, für Damen dürfen sie auch etwas länger sein. Wie in der Mode sind Bicolor und Colourblocking ein wichtiger Modetrend. 

iPad- oder iPhone-Handschuhe mit berührungssensiblen Fasern in den Fingerspitzen machen das Freiluft-Surfen und SMSen auch bei Minustemperaturen möglich.

Immer mit Fingern...

Fäustlinge sind aber kaum je eine Option. Man kann sie sich vorstellen an Kleinkindern, Kindern und Teenagern, aber nicht an Erwachsenen. Es sei denn, man geht skifahren, da passen Nylon-Fäustlinge durchaus.

Aber man hat auf jeden Fall Nachteile, wenn man mal schnell das Telefon abnehmen will. Diese archaische Handschuh-Form wird auf lange Sicht verschwinden. (Jeroen van Rooijen)