Zweifachglück

Partnerlook? Geht ja gar nicht. Auf keinen Fall. Nie und nimmer im Leben möchte man dabei erwischt werden, wie man seine Kleidung willentlich auf die des Partners abgestimmt hat. In Zeiten der selbstbestimmten sexuellen Identität ein Sakrileg! Allerdings: Manchmal sieht es ganz gut aus. Bloss wann?

Partnerlook auf dem Laufsteg. In der Frühlingskollektion von Marc Jacobs erscheinen praktisch alle Models als Duo.
Bildlegende: Partnerlook auf dem Laufsteg. In der Frühlingskollektion von Marc Jacobs erscheinen praktisch alle Models als Duo. Keystone

Modedesigner Marc Jacobs hat diese Saison für das französische Luxuslabel Louis Vuitton eine Aufsehen erregende Kollektion gezeigt: Praktisch alle Models erschienen als Duo, also als ästhetische Doublette auf dem Laufsteg. Jedes Outfit war in einem entsprechenden Double gespiegelt. Der Effekt war verblüffend. Der Trick verlieh der Präsentation viel Dramatik. Und stellte viele vor die Frage: Partnerlook, geht das vielleicht doch irgendwie?

Die Antwort ist verstörend banal: Auf dem Laufsteg,der höchsten Kunstform der ästhetischen Überzeichnung, ist der Partnerlook eine Option. Weil er dort völlig unerwartet kommt. Zudem zeigte Marc Jacobs vor allem weibliche Doubles - wenn man die Story weiterdenkt, wäre diese Kollektion also eine subversive Geste zu Gunsten der gleichgeschlechtlichen, sprich lesbischen Liebe gewesen, welche ja gerade in Frankreich sehr umstritten ist.

Jacobs' Geste in Ehren. Doch Hand aufs Herz: Meistens hat der Partnerlook herzlich wenig mit bewussten Statements zur gesellschaftlichen Entwicklung oder mit Stil zu tun, sondern einfach nur mit falsch verstandener Liebenswürdigkeit. Man kleidet sich im Partnerlook und hofft, dass dieser Trick dem gemeinsamen Auftritt mehr Gewicht verleiht.

Das Gegenteil ist der Fall: Man macht sich im Partnerlook in 99 % der Fälle auf peinliche Weise zum Affen, weil er auf beide Seiten ein falsch verstandenes Signal des emanzipatorischen Bemühens ist. Ein Mann soll sich nie kleiden wie seine Frau - umgekehrt geht‘s eher - aber besser ist‘s dann, wenn‘s ohne Mann geschieht.

Im Klartext: Wenn eine Frau sich in Männerkleider stürzt, so kann dies seinen Reiz haben - die Geschichte kennt von Marlene Dietrich über Annemarie Schwarzenbach bis zu Anne Lennox zahllose solcher wunderbarer Beispiele von textiler Travestie. Aber wenn Männer Frauenkleider tragen, geht‘s immer schief: Weder «La Cage aux folles» noch «Queen of the desert» haben - trotz unbestrittenen Kult-Charakters - nie ein akzeptables Mass gesellschaftlicher Akzeptanz erreicht.

Das heisst: Als Mann soll man sich tunlichst von allen Bemühungen der textilen Angleichung ans andere Geschlecht fern halten - zumindest dann, wenn man im Duett mit demselben auftritt. Man könnte zwar theoretisch erwägen, die Farbe der Krawatte, des Einstecktuchs oder der Socken auf die Hauptfarbe des Outfits seiner weiblichen Begleitung abzustimmen, aber dann ist schon Schluss: Jede weitere Anpassung ist programmierter Schiffbruch.

Als Frau halte man sich - zumindest in gemischtgeschlechtlichen Partnerschaften - wenn immer möglich vom Partnerlook fern. Er dient nicht dazu, das individuelle Standing zu verbessern oder die gesellschaftliche Position zu verbessern. Im Gegenteil: Hetero-Frauen, die sich in Stil und Look ihrem Mann unterordnen, sind zum Dasein als Schattenwesen verdammt. Denn wenn nicht die Frau leuchtet, wer dann?

Alle anderen Formen von Partnerlook sind dem reinen Zweck bzw. der Funktionsbekleidung vorbehalten - wo Mode und der darin verstrickte gesellschaftliche Subtext keine Rolle spielen und der Unisex-Style regiert, da kann der Partnerlook funktionieren. Aber das hat dann nichts mehr mit Mode, sondern nur noch mit Funktion zu tun.

Einzige Ausnahme: Trachtenfeste, wie etwa das Oktoberfest in München. Da müssen Frau und Mann sich abstimmen. Weil ein Herr in Tracht alleine neben einer Frau im Cocktailkleid doof aussähe. Und weil eine Frau im Dirndl neben einem Herrn im dunklen Anzug automatisch wie eine Serviertochter aussieht.