50 Jahre Giftberatung: Hände weg von der Havanna-Suppe

Vergiftungen kennen keine Uhrzeit. Deshalb hat die Beratungsstelle Tox Info Schweiz seit ihrer Gründung vor 50 Jahren einen 24-Stunden-Betrieb. Noch heute wühle man manchmal in Karteikarten, aber es komme nicht mehr so oft vor wie in den Anfängen, sagt Hugo Kupferschmidt, Leiter des Giftnotrufs 145.

Schwarzweiss Aufnahme vom Tox-Zentrum in seinen Anfängen. Mann in weissem Kittel am Telefon.
Bildlegende: Die Anfänge der Giftberatung waren analog – die Berater am Telefon wühlten noch in Karteikarten. zVg

Wenn es um Vergiftungen geht, ist die Notfallnummer 145 nicht mehr wegzudenken. Seit 50 Jahren sagen Experten von der Tox Info Schweiz, was zu tun ist, wenn beispielsweise ein Kind versehentlich Reinigungsmittel zu sich genommen hat.

Bei rund 50 Prozent der Anfragen sind Kinder unter fünf Jahren betroffen. Kleinkinder sind dem grössten Risiko einer Vergiftung ausgesetzt, sagt der Toxikologe und Leiter vom Giftnotruf Hugo Kupferschmidt. In seiner 20-jährigen Tätigkeit bei der Beratungsstelle gab es Fälle, die dem Toxikologen im Gedächtnis haften geblieben sind.

Kulinarische Gefahren

1999 kam es in Widnau (SG) an einem Vegetarierkongress zu einer Massenvergiftung. Nach dem Verzehr von rohen Bohnen erlitten über 20 Teilnehmer eine Lebensmittelvergiftung. Rohe Bohnen enthalten den Giftstoff Phasin. Erst das Kochen macht den Stoff unschädlich.

Ein anderer kulinarischer Zwischenfall ereignete sich im Glarnerland. Dort erlitten über 100 Gäste eine Nikotinvergiftung. Schuld war die Kreation eines Kochs, der einem Zigarren-Club eine Kürbissuppe mit Kautabak servierte.

Vergiftung durch Medikamente

Im Jahr 2014 wurden die meisten der 10'695 registrierten Vergiftungen durch Medikamente verursacht, gefolgt von Haushaltsprodukten und Pflanzen.

Im Gründungsjahr 1966 erhielt Tox Info Schweiz rund 2000 Anfragen – im vergangenen Jahr waren es rund 38'400.

Den Grundstein für die Beratungsstelle, die als private Stiftung organisiert ist, legte 1966 der damalige Apothekerverein, der heute pharmaSuisse heisst. Mit dabei war auch das Gerichtlich-Medizinische Institut der Universität Zürich und die damalige Interkantonale Giftkommission.

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Problempflanzen – Unterschätzte Gefahr im Garten

5:47 min, aus Puls vom 22.6.2015

Moderation: Dani Fohrler, Redaktion: Karin Rüfli