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Virus Voyage Wieso sich ein 21-Jähriger für ein Leben im Kloster entscheidet

Thomas Fässler lebt seit acht Jahren als Mönch im Kloster Einsiedeln. Der junge Schweizer hat sich nach seinem Studium für das Leben im Kloster entschieden. Er sagt: «Entscheidest du dich für etwas, lebst du bewusster.»

Das Leben etwas «Grösserem» widmen

Tagwache 5:00 Uhr. Beten. Jeden Tag. Thomas und seine Mitbrüder (die meisten sind deutlich älter) widmen die Tage hauptsächlich dem Dialog mit Gott. Das erste Gebet beginnt um 5:30 Uhr, das letzte um 19:55 Uhr. Dazwischen gibt es Zeit für Bibelstudium, Sekundärliteratur und rund zwei Stunden Freizeit. «Wir müssen schon auf Dinge verzichten und ab und zu fällt mir das schwer.» Zum Beispiel? «wenn Freunde zum Pizzaessen in ein Restaurant gehen und ich nicht mit kann.»

Ich muss mir am Morgen keine Gedanken über die Kleiderauswahl machen.

Verzicht bringt aber auch Freiheit, ist der 30-Jährige überzeugt. «Weil ich mich für etwas entschieden habe, lebe ich bewusster. Klare Entscheidungen für etwas fallen unserer heutigen Generation sehr schwer.» Bei Thomas reifte sein Entscheid über mehrere Jahre. Aufgewachsen in einer gläubigen Familie in Einsiedeln, kam Thomas früh in Kontakt mit dem Kloster. Im Studium lernte er die Welt und ihre Reize kennen und musste sich eingestehen, dass diese Welt nicht Seine ist.

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Weisst du, was du alles verpasst?

Auf viele Dinge, die uns wichtig erscheinen muss Thomas verzichten: Sex ist tabu, Frauen sieht man im Kloster kaum, die Ferien müssen abgesprochen werden, Kinoabende gibt es nicht und im eigenen Zimmer ist nicht einmal Besuch der eigenen Familie erlaubt.

In der Gesellschaft werden Dinge wie Sexualität oft überschätzt.

Thomas hatte in seiner Studienzeit auch eine Freundin. «Mir ist sehr wichtig, dass ich diese Erfahrungen gemacht habe, so idealisiere ich nichts, sondern weiss, dass eine Beziehung auch Kompromisse und Probleme mit sich bringen kann.»

Boccia statt Parties

Freizeit hat der junge Mönch nur selten. Und wenn, dann nutzt er sie für Recherchen (Das Internet ist im Kloster angekommen, Thomas hat auch einen Facebook-Account), oder spielt mit seinen Mitmönchen Boccia im Klostergarten. Sind sie deine Familie geworden, wollen wir wissen. «Ja, ich habe meine eigene Familie verlassen und hier ein neues Umfeld gewonnen.»

Die Gedanken von Anic und Andi nach dem Dreh

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Fotos: © Noëlle Guidon, SRF Virus

«Virus Voyage»

«Virus Voyage»

Die ganze Sendung mit Thomas gibt's hier. Anic und Andis Gedanken nach dem Dreh gibt's hier.