Aix-en-Provence Festival: Zwei Freunde, zwei Sinfonien

Der eine lebte zwar im sowjetischen Russland und konnte es nur in offizieller Mission verlassen; der andere lebte in England, reiste zwar oft, aber die Kontakte waren und blieben beschränkt.

Portrait Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitchs im Publikum der Bachfeier in Leipzig, 28. Juli 1950
Bildlegende: Portrait Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitchs im Publikum der Bachfeier in Leipzig, 28. Juli 1950 Deutsche Fotothek

Dennoch wurden Dmitrij Schostakowitsch und Benjamin Britten über die Distanzen hinweg Freunde, sie schätzten die Musik des andern und widmeten einander Werke.

Und sie waren beide unberechenbare Komponisten. Brittens «Sinfonia da Requiem» war ursprünglich ein Auftragswerk der japanischen Regierung zum 2600. Jahrestagtag des japanischen Reiches, doch schliesslich lehnte diese Brittens Werk der Trauer und des Gedenkens ab. Er widmete es schliesslich dem Andenken seiner Eltern.

Schostakowitsch seinerseits kündigte an, seine sechste Sinfonie solle ein Werk zum Andenken Lenins werden. Was daraus wurde, war eine «schräge» Sinfonie mit einem langen, trauererfüllten ersten Satz und zwei nachfolgenden, sarkastischen Holterdipolter-Sätzen.  

London Symphony Orchestra
Leitung: Gianandrea Noseda
Ian Bostridge, Tenor

Benjamin Britten: Auszüge aus «Peter Grimes»; Serenade für Tenor, Horn und Streichorchester; Sinfonia da Requiem
Dmitrij Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 6 

Konzert vom 17. Juli Grand Théâtre de Provence