Sendungsporträt

Ob Unfallchirurgie in Äthiopien, die Rettung eines Dorfes in Nepal oder Nothilfe für Flüchtlinge auf der Balkanroute, Schweizerinnen und Schweizer leisten aus privater Initiative heraus humanitäre Arbeit. Ihr Engagement ist sinnstiftend, hat aber auch seinen Preis.

Melanie Holzgang untersucht ein Kind im Spital von Jimma Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Melanie Holzgang untersucht ein Kind im Spital von Jimma SRF

Medizinische Hilfe für die Ärmsten

Melanie Holzgang, 33-jährige Oberärztin aus Uster, ist gefordert. Nach drei Tagen Einführung übernimmt sie die Leitung der Unfallchirurgie der äthiopischen Stadt Jimma. In einem Land, in dem auf 10 Mio. Menschen ein Chirurg kommt, muss sie entscheiden, wem medizinische Hilfe gewährt wird. Weil die Wege ins Spital lang sind und die Armut gross, kommen die Unfallopfer meist zu spät, dementsprechend komplex sind die Fälle. In zwei Monaten operiert Holzgang 120 Menschen, vielen rettet sie das Leben. Mit ihrem freiwilligen Einsatz könne sie etwas zurückgeben für das Glück, in einem Land wie der Schweiz geboren zu sein, sagt sie. Sie will aber auch andere Kulturen kennenlernen und Grenzen ausloten.

Jürg Peltzer mit der kleinen Rehima im Spital von Jimma Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jürg Peltzer mit der kleinen Rehima im Spital von Jimma SRF

Ihr ehemaliger Chef, der Schweizer Chirurg und Traumatologe Jörg Peltzer, hat das «Gostar-Projekt» ins Leben gerufen. Seine Vision ist, in Jimma ein Trauma-Zentrum für 20 Millionen Franken zu bauen. Trotz administrativer, kultureller und finanzieller Hürden glaubt er an seinen Traum und ist innovativ. Um Geld aufzutreiben, will Peltzer gut betuchten Spendern auf einer abenteuerlichen Radtour «sein» Äthiopien zeigen. Aber Unruhen machen ihm ein Strich durch die Rechnung.

Manuel Bauer mit einer Bewohnerin von Sam Dzong Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Manuel Bauer mit einer Bewohnerin von Sam Dzong SRF

Umsiedelung eines Dorfes

Der Winterthurer Manuel Bauer ist Hoffotograf des tibetischen geistigen Oberhauptes Dalai Lama. In den Höhen des Himalaya, in Mustang, erfährt er von der Not eines Dorfes namens Sam Dzong. Hier leben die Menschen noch sehr ursprünglich und wie schon ihre Vorfahren, als Selbstversorger. Aber nun droht ihnen, das Wasser auszugehen. Für Bauer ist klar, dass die Klimaerwärmung, verursacht durch den westlichen Lebensstil, schuld daran ist. Nur ein Umzug kann die Dorfgemeinschaft retten. Der 50-Jährige verpflichtet sich, ihr zu helfen und muss lernen, was es bedeutet, auf 3600 Metern Höhe ein Dorf neu zu bauen und die Verantwortung für 85 Menschen zu übernehmen. Mit Fotoausstellungen, Artikeln und Vorträgen sammelt er Spenden. Die Zusammenarbeit mit den Einheimischen gestaltet sich nicht immer einfach, es entstehen aber auch enge Freundschaften. Das mehrjährige Projekt bringt ihn an seine Grenzen, trotzdem glaubt er, dass Helfen der Sinn des Lebens sei.

Vanja Crnojević mit Flüchtlingen in Idomeni Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vanja Crnojević mit Flüchtlingen in Idomeni SRF

Notunterkunft für Flüchtlinge

Vanja Crnojević kam als Zwölfjährige wegen des Balkankriegs aus Bosnien in die Schweiz. Diese Erfahrung hat sie geprägt. Im August vor einem Jahr sammelte sie über die sozialen Medien 2000 Franken und reiste alleine nach Serbien, um Flüchtlingen auf der Balkanroute zu helfen. In serbischen Städtchen Prešovo, an der Grenze zu Mazedonien, errichtet die 36-Jährige zusammen mit Freiwilligen des Vereins «Borderfree Association» ein Zelt und drei Container. Tag für Tag lindern sie so die Not der Menschen mit Mahlzeiten, einer Notunterkunft und aktuellen Informationen.«Borderfree Association» finanziert sich über Crowdfunding. Im Frühling verlegt der Verein seine Hilfe nach Griechenland, wo Vanja Crnojević und ihre Freiwilligen eine Schule in einem Flüchtlingscamp unterstützen. Der Einsatz lohne sich. Noch nie habe sie soviel Liebe und Dankbarkeit bekommen, sagt Vanja.