Warum macht helfen glücklich?

Die Protagonisten der Serie «Die Weltverbesserer» verpflichten sich mit ihren Projekten über mehrere Jahre. Obwohl sie nichts oder nur sehr wenig verdienen und auf vieles verzichten, sprechen sie alle von grosser Zufriedenheit und grossem Benefit.

Vanja Crnojević begleitet Mütter mit ihren Kindern zum Arzt in Idomeni. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vanja Crnojević begleitet Mütter mit ihren Kindern zum Arzt in Idomeni SRF

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Zur Person

Zur Person

Mathias Binswanger (*1962) ist Ökonom und Professor für Volkswirtschaftslehre. Er ist Autor der Bestseller «Die Tretmühlen des Glücks» (2006) und «Sinnlose Wettbewerbe» (2010) und erforscht unter anderem den Zusammenhang zwischen Glück und Einkommen.

SRF DOK: Macht altruistische Arbeit, das Engagement für andere Menschen, glücklich?

Mathias Binswanger: In altruistischen Tätigkeiten liegt ein hohes Glückspotenzial. Einerseits ist es befriedigend, anderen Menschen Gutes zu tun, und zu sehen, dass man ihre Probleme lösen oder ihre Not lindern kann. Auf der andern Seite sind es häufig auch Tätigkeiten, die einen unmittelbaren Sinn ergeben, der im normalen beruflichen Alltag manchmal nur schwer erkennbar ist. Dort geht es um Zahlen, Projekte, Strategien oder Berichte aber nicht um konkrete Menschen. Allerdings gibt es keinen Automatismus, der dazu führt, dass sich das Glück auch in jedem einzelnen Fall von altruistischer Tätigkeit einstellt. Wenn ich nie Dankbarkeit erfahre, komme ich mir mit der Zeit auch ausgenutzt vor. Grundsätzlich gilt, dass unmittelbare Hilfe am glücklichsten macht. Das heisst, wenn ich selber Geld an Arme verteile, macht mich das glücklicher, als wenn ich einfach für die Armen spende.

«  Aktive Weltverbesserer reagieren auf Not mit Aktion »

Was treibt «Weltverbesserer» an, sich einem Projekt zu verschreiben?

Das dürfte ganz unterschiedlich sein. Den «Weltverbesserer» als solchen gibt es nicht. Meistens sind es Zufälle, bei denen potentielle «Weltverbesserer» in bestimmte Situationen geraten, in denen sie mit Not konfrontiert werden. Aktive «Weltverbesserer» sind Menschen, die in solchen Situationen tatsächlich reagieren, und dann aktiv bleiben. Spass und Faszination an diesen Tätigkeiten spielen aber sicher auch eine Rolle. Letztlich ist es eine Mischung aus Verantwortung, Notwendigkeit, Spass und Faszination, welche die Menschen antreibt.

Fotograf Manuel Bauer lernt tanzen

0:48 min, vom 9.12.2016

Gibt es Attribute, welche diese Menschen gemeinsam haben?

Begeisterung und Leidenschaft sind etwas, was wohl die meisten dieser Menschen gemeinsam haben. Ohne innere Überzeugung würde die Energie zur Weltverbesserung schnell verpuffen.

«  Weltverbesserer gibt es in allen Bevölkerungsschichten – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Bildung »

Die «Weltverbesserer» bewegen sich zwischen zwei Welten. Oft fällt die Rückkehr in unsere hochentwickelte, westliche Gesellschaft schwer, vieles ergibt keinen Sinn mehr, angesichts der Erfahrungen, die sie gemacht haben. Ist das ein typisches Phänomen?

Diese Rückkehr fällt oft auch dann schwer, wenn man kein «Weltverbesserer» ist. Angesichts der Probleme in vielen Ländern leben wir in der Schweiz eigentlich in einem Paradies. Wir verstehen es aber hervorragend, uns das Leben hier zu vermiesen, indem wir das Glas nicht zu neun Zehntel als voll, sondern zu einem Zehntel als leer sehen. Auf diese Weise herrscht oft eine missmutige Stimmung, da man ständig auf den Dingen herumhackt, die nicht perfekt sind. So werden kleine Dinge wichtig, die letztlich für das Glück des Einzelnen aber unwesentlich sind. Mit dieser Mentalität haben sicher viele Rückkehrer Mühe.

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«Die Weltverbesserer»

Alles zu den Protagonisten und den 5 Folgen.

Ist der Trend zu sozialem Engagement eher steigend oder eher abnehmend? Wer engagiert sich hauptsächlich?

Gemäss dem Deutschen Freiwilligensurvey, welches seit 1999 durchgeführt wird, steigt der Anteil freiwillig engagierter Menschen an. Allerdings ist die Zunahme nicht gross und in jüngster Zeit scheinen die Zahlen relativ konstant zu bleiben. Dabei geht es allerdings selten um grosse Projekte wie bei den vier «Weltverbesserern». Insgesamt ist der Prozentsatz der aktiven «Weltverbesserer» an der gesamten Bevölkerung wohl ziemlich konstant. Alter, Geschlecht oder Bildung spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 09.12.2016 21:00

    Die Weltverbesserer
    Die Weltverbesserer – Folge 3

    Die Weltverbesserer, Folge 3

    Alle Protagonisten der «DOK»-Serie «Die Weltverbesserer» sind beseelt von ihrer Vision, etwas bewegen zu können. Sie sind bereit, viel Zeit für ihren Traum zu investieren und sie nehmen ein eingeschränktes Privatleben in Kauf.