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Wir sind die Schweiz 24 Stunden Schweizer Alltag abbilden

«Wollt ihr wirklich alles an einem Tag drehen?», lautete die häufigste Frage, als Produzentin Michèle Sauvain das Konzept zu dieser «DOK»-Serie erklärte. Die Kameraleute und Tonmeister reimten sich schnell zusammen, was das konkret bedeutete: Vor dem Morgengrauen aufstehen und durcharbeiten.

Legende: Video Der Morgen abspielen. Laufzeit 1:34 Minuten.
Vom 13.07.2016.

Dass wir für unsere Drehs den Jahrhundertsommer 2015 erwischen würden, war im Mai noch nicht abzusehen. Es war immer Nacht bei Drehbeginn. Die Menschen in der Schweiz stehen früh auf, das merkten wir schon bald. Bei den meisten läutete der Wecker zwischen sechs und halb sieben Uhr. Dann wurde es Sommer. Wir drehten im Juni, es wurde früher hell, aber Drehbeginn war immer noch bei Dunkelheit. Wir lernten Menschen kennen, die um 2 oder 3 Uhr aufstehen. Nicht nur ausnahmsweise, wenn sie in die Ferien fahren, sondern jeden Tag. Claudia, die SBB-Lokführerin, die schon um 5 Uhr ihren Zug kontrolliert. Oder Rolf, der Bauer, der seiner Frau Judith in der Backstube hilft, während die meisten Menschen noch schlafen, oder auch Maria, die mit ihrer Strassenputzmaschine morgens um 4 Uhr durch die menschenleere Zürcher Altstadt fährt. Diese Momente waren magisch. Wir erlebten Stimmungen, die man nie erlebt, wenn man sich gewissermassen auf der anderen Seite bewegt, als Pendler, als Kunde auf dem St. Galler-Bauernmarkt oder als jemand, der am Nachmittag durch die Zürcher Altstadt flaniert.

Legende: Video Der Mittag abspielen. Laufzeit 1:11 Minuten.
Vom 13.07.2016.

Dann die Mittagszeit. Vielerorts läuten die Kirchenglocken und das Mittagessen steht auf dem Tisch. Das heimelt an. Auch in Frankreich, Italien oder Übersee wird zu Mittag gegessen. Trotzdem, was uns vor die Linse kam, ist unverwechselbar schweizerisch. Zum Beispiel die Stimmung in der Migros oder in der Bäckerei, wo man sich schnell über Mittag verpflegt. Auch das ist ein Stück unserer Identität. Wir haben uns während den Dreharbeiten ebenfalls vornehmlich von irgendwelchen Brötchen ernährt und mit Kaffee wach gehalten, wir wollten ja filmen, wie unsere Protagonisten ihre Mittagszeit verbringen. Meistens machte sich dann die erste Müdigkeit breit. Kameramann Sergio Cassini war zum Teil schon 10 Stunden auf den Beinen, nicht zu reden von den Video-Journalisten Denise Schneitter und Samuel Bürgler, die gleichzeitig drehen und Fragen stellen mussten. Dann die Hitze… Bei vielen Drehs war es um die Mittagszeit gegen 35 Grad heiss. Nicht selten verzog sich jemand aus der Crew für einen Power-Nap 15 Minuten lang irgendwohin ins Gras.

Der Abend

Es wurde Abend. Wir staunten, wie viele Grills überall angeworfen wurden und glauben sofort, dass die Menschen in der Schweiz viermal so häufig grillieren wie die deutschen Nachbarn. Vielleicht wird hier sogar am häufigsten gegrillt auf der ganzen Welt. Auch Kafi Complet und ein Jass im Schrebergarten lösen vertraute Gefühle aus. «En Guete mitenand» gehört zum Schweizer Kulturgut. Genauso wie Einschlafrituale: Lokführerin Claudia zählt gemeinsam mit ihrem Freund Silvio Lebensmittel aus der Migros auf, wenn sie mal nicht einschlafen können. Die Gublers putzen zusammen die Zähne. Das alles kennen wir, alles ist so alltäglich und vertraut.

Legende: Video Der Abend abspielen. Laufzeit 2:20 Minuten.
Vom 13.07.2016.

Die Menschen in der Schweiz gehen früh ins Bett. Das hat uns erstaunt. Selbst im Hochsommer ist bei den meisten Leuten unter der Woche spätestens um 23.00 Uhr Lichterlöschen… dann, wenn unsere Nachbarn im Süden knapp mit dem Nachtessen fertig sind.

Riccardo als Sizilianer lebt diesen Rhythmus, wenn er wieder zuhause ist. Ein Jahr später, jetzt wo die Serie ausgestrahlt wird, ist der Ceneri-Basistunnel fertig gebaut. Die 900 Meter, die noch fehlten sind gesprengt. Riccardo wünscht sich im Film so sehr, dass er den Durchstich noch erleben würde. Das hat er geschafft und sogar noch mehr: Als langjähriger Sprengmeister bei der Neat durfte er nach dem Durchstich als Erster das neu gesprengte Loch durchschreiten mit der Schutzheiligen Santa Barbara im Arm. Was für eine Ehre und Freude, denn nachdem wir ihn einen Tag in seinem Leben begleitet haben, wissen wir, wie wichtig ihm das war.

«Wir sind die Schweiz»

«DOK», «Tagesgespräch» und die «Regionaljournale» zeigen in ihren Sommerserien, was die Identität der Schweiz ausmacht – im Radio, Fernsehen und online. Zum Web-Special.

Zur Person

Zur Person

Michèle Sauvain leitete die Produktion der Serie «Wir sind die Schweiz». Sie arbeitet seit 2004 im «DOK»-Team als Autorin und Produzentin.

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