Wir sind die Schweiz

Zweite Staffel, Folge 4

Canad Cali arbeitet als Postautochauffeur

Bildlegende: Canad Cali arbeitet als Postautochauffeur. SRF

In der vierten Folge begleitet «SRF DOK» Postautofahrer Canad Cali, Graveurin Maëlle Bertarionne, Kranführer Roger Siegenthaler und Kispex-Mitarbeiterin Denise Schöni.

Canad Cali fährt mit seinem Postauto in die hintersten Täler

Der junge Somalier kam mit ungefähr 16 Jahren in die Schweiz. Weil er keine Papiere besass, wurde sein Geburtsdatum auf den 1. Januar 1992 festgelegt. Sein richtiger Name wäre Hanad, Canad war ein Schreibfehler, aber er beschloss, den Namen zu behalten für sein neues Leben in der Schweiz.

Canad ist in einem Waisenhaus aufgewachsen, nachdem er seine Eltern im Krieg verloren hatte. Mit 15 Jahren entschloss er sich zur Flucht. Bei der Fahrt über das Mittelmeer wurde er von der Küstenwache aus einem sinkenden Schlauchboot gerettet. In der Schweiz angekommen, wies man ihn dem Kanton Tessin zu. Dort hat er seine Frau kennengelernt.

Seit vier Jahren sind die beiden verheiratet, seit einem Jahr hat Canad den Schweizer Pass. Heute ist er 26 Jahre alt und arbeitet als Postautochauffeur im Onsernonetal. Privat engagiert er sich aber immer noch für sein Land und unterstützt mit seinem eigens gegründeten Verein Frauen, die von Beschneidungen betroffen sind und Medikamente gegen ihre Leiden brauchen.

Maëlle Bertarionne arbeitet als Graveurin im Jura

Die 35-jährige Neuenburgerin ist in La Chaux-de-Fonds aufgewachsen und hat sich, wie viele in der Gegend, zur Graveurin ausbilden lassen, da dieser Beruf in der Uhrenindustrie sehr gefragt war. Bis im letzten Jahr hat sie bei verschiedenen Uhrenfirmen gearbeitet, dann wurde ihr wegen Umstrukturierung gekündigt. 500 Stellen wurden allein im Kanton Neuenburg in der Uhrenindustrie in den letzten zwei Jahren abgebaut.

Statt sich einen neuen Job zu suchen, machte Maëlle einen Kurs beim RAV und versucht sich nun als Selbständige. Zusammen mit ihrem Freund Sam und ihren beiden Katzen ist sie vor drei Jahren nach Brot-Plamboz gezogen – mitten ins nirgendwo im Neuenburger Jura. Und das sehr bewusst, denn die beiden haben gerne ihre Ruhe.

Aber manchmal verspürt Maëlle natürlich schon ein bisschen Stress, ob ihr neues Lebenskonzept auch klappen wird.

Roger Siegenthaler ist Kranführer im Berner Oberland

Der 36-jährige Berner hatte keinen einfachen Start. Er stammt aus einer ärmlichen Familie, sein Vater war schwer krank und Roger zu allem Unglück noch ein schlechter Schüler. Nur mit Ach und Krach hat er die Schule geschafft und eine Lehre als Zimmermann gemacht. Weil sein Lehrbetrieb nicht alle Lehrlinge behalten konnte, wurde ihm gekündigt. Von da an hat er sich als Handlanger durchgeschlagen, bis sich das Blatt wendete.

Vor fünf Jahren hat er im Internet seine Frau Nicole kennengelernt, heute ist er Vater von zwei kleinen Kindern, die Familie ist sein grosses Glück. Auch beruflich ging es bergauf. Er erhielt die Möglichkeit, sich als Kranführer ausbilden zu lassen und hat die Chance gepackt. Wegen seiner Ruhe und Gemütlichkeit schätzen ihn seine Kollegen sehr. Heute ist er glücklich und möchte um keinen Preis in der Welt mit jemand anderem tauschen.

Denise Schöni betreut kranke Kinder zuhause

Die 46-jährige Aargauerin lebt mit ihren beiden Kindern und ihrem neuen Lebenspartner in Bellmund in der Nähe von Biel. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet die ausgebildete Kinderkrankenschwester bei der Kinderspitex und unterstützt in dieser Funktion Eltern mit kranken Kindern zuhause.

Ob es darum geht, Spritzen zu machen, Infusionen zu setzen oder einfach nur zu inhalieren, das, was Denise leistet, ist für die betroffenen Eltern oft eine unentbehrliche Entlastung in einer schwierigen Situation. Denise handkehrum schätzt die Dankbarkeit, die ihr für ihre Arbeit entgegengebracht wird.

Sie arbeitet gerne selbständig und bringt so ihr 60-Prozent-Pensum gut an ihrer Familienarbeit vorbei. Mit Kindern im Teenager-Alter nehmen die familiären Verpflichtungen langsam ab, deshalb gönnt sie sich einmal in der Woche eine Auszeit auf dem Reiterhof.