USA: Lynchmorde und ihr rassistisches Erbe

Vor 100 Jahren, am 15. Juni 1920, ereignet sich ein brutaler Lynchmord. In Duluth, einer Stadt im US-Bundesstaat Minnesota. Drei Afroamerikaner werden von einem weissen Mob aus dem örtlichen Gefängnis gezerrt und an einer Strassenlaterne erhängt. Unschuldige - wie sich später herausstellt. 

Postkarte von 1920, die die gelynchten schwarzen Männer an der Strassenlaterne zeigen. Umgeben von lachenden Weissen.
Bildlegende: Postkarte vom Lynchmord in Duluth: 15. Juni 1920

Die Lynchmorde von Duluth - nur eine Nummer in einer traurigen Statistik. Fast 5000 Todesopfer – so viele Lynchmorde sind nach konservativer Schätzung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts passiert. 80 Prozent davon im Süden der USA. Die meisten Opfer waren Schwarze. Die Täter meist gewöhnliche Leute, zum Teil angesehene Persönlichkeiten. Sie kamen fast immer straffrei davon.

In dieser Zeitblende erzählt der Lokalhistoriker Michael Fedo, wie es zu den Lynchmorden in seiner Heimatstadt gekommen ist. Und Historiker Sebastian Jobs, Experte für Nordamerikanische Geschichte an der Freien Universität in Berlin erläutert, warum Lynchjustiz in dieser Zeit so verbreitet war und welche Spuren die rassistische Gewalt an Schwarzen in den USA hinterlassen haben – bis heute. Wenn wir in diesen Wochen nach Minneapolis blicken, auch auf die breite Protestbewegung in den USA nach der Tötung von George Floyd, dann werden diese Spuren deutlich sichtbar.

Autor/in: Marlen Oehler, Redaktion: Marlen Oehler