Die österreichische Seele

Unterwegs zum Nachbarn

Medium: DVD
Dauer: 50 Min.
Original: Deutsch
Untertitel: Untertitel Deutsch, Untertitel für Hörbehinderte
Produktion: 2014
Bildformat: 16:9
Die österreichische Seele

Zum Beispiel am Wiener Opernball: Da hofft ein Untertanenvolk auf die Auferstehung der K.-u.-k.-Monarchie. Aber einer spuckt immer in die Suppe: Baukönig Richard Lugner kauft sich, was andere im Blauen Blut haben. Jedes Jahr kommt er mit einem anderen Busenwunder in seine Opernloge. Vor zwei Jahren sorgte der 81jährige für einen Skandal, als er mit Berlusconis früherer Gespielin Rubi Rubacuore dem Opernball die Show stahl.
Österreich ist nicht nur Opernball. So führt die Reise zum Nachbarn erst einmal in ein kleines Dorf im Salzkammergut: zu Totengräber Friedrich Valentin Idam. Hallstatt zählt 700 Seelen - im Dorf. Auf dem Friedhof sind es tausende. Der Friedhof ist so klein, dass zwei, drei Leichen in einem Grab liegen. Und weil die Seelen unsterblich sind, ist hier ein grosses Gedränge.
In der Steiermark hat Bauer Gsellmann eine gigantische Weltmaschine gebaut: alte Räder, Transmissionsriemen, Weltkugeln, Heiligenzeugs und allerlei Geheimnisvolles. Die Weltmaschine müsse immerfort in Bewegung gehalten werden, ansonsten die Welt stehen bliebe und also Österreich untergehen würde, trug er seinem Enkel auf. Täglich kommt dieser dem Vermächtnis des Grossvaters nach. Von ihm erfährt das Publikum auch, dass der Schweizer Bildhauer Jean Tinguely, bevor dieser seine beweglichen Skulpturen schuf, zu Besuch bei der Weltmaschine war. Am Dorfrand trifft das Filmteam dann auf die noch viel gigantischere Welt-Untergangsmaschine.
Franz Schuh ist Schriftsteller und einer der letzten Wiener Privatgelehrten. Er ist sozusagen Österreich-Forscher, also die richtige Adresse für die Suche nach der österreichischen Seele.
Der Narrenturm: Hierher wurde manch einer eingebuchtet, der von sich sagte «Ich bin der Kaiser». Der richtige Kaiser, Leopold II., liess den Narrenturm bauen. 240 Irre fanden darin Platz, damit sie die kaiserlichen Untertanen nicht mit Irrsinn, Aufwiegeln oder anderen demokratischen Krankheiten anstecken konnten.
«Wir sind Kaiser» ist eine Kultsendung im österreichischen Fernsehen. Der Schauspieler Robert Palfrader zieht dort Promis durch den Kakao - oder wie man in Wien sagen müsste: schüttet einen Braunen über sie aus. Hier zeigt sich eine besondere österreichische Tugend: der Schmäh, das Lachen über sich selbst. Der Oberhof-Zeremonienmeister dieser Sendung nimmt das Publikum ganz seriös mit in die Kapuzinergruft, dort wo 12 Kaiser und 19 Kaiserinnen begraben liegen. Die letzte österreichische Kaiserin verbrachte viele Jahre im schweizerischen Exil. Vor 25 Jahren starb sie - und durfte zurück nach Wien.